Kreidegrund besteht aus Kreide, also Calciumcarbonat, gebunden mit Haut- oder Knochenleim. Er wird in mehreren Schichten warm auf Holztafeln, Schnitzfiguren oder Rahmen aufgetragen und nach dem Trocknen glatt geschliffen. In Italien verwendete man stattdessen Gips, den Gesso, wie ihn Cennino Cennini um 1400 beschreibt. Auf dem Kreidegrund liegen Malerei, Fassung oder der Bolus der Polimentvergoldung.
Spätgotische Tafelbilder und Skulpturen in Süddeutschland und Österreich tragen fast immer Kreidegrund unter Malerei und Fassung; einzelne Bildschnitzer verzichteten ab etwa 1490 bewusst darauf und ließen das Holz sichtbar. In den Grund wurden Ornamente graviert und punziert oder als Pressbrokat aufgesetzt. Auch barocke Rahmen, Konsoltische und Altäre erhielten Kreidegrund unter der Vergoldung.
An Fehlstellen ist der weiße Grund gut zu sehen; Alterssprünge laufen durch Grund und Malschicht gemeinsam. Schwankende Luftfeuchtigkeit lässt das Holz arbeiten, der spröde Grund hebt sich in Schollen ab und blättert. Abgelaugte Figuren, denen man im 19. oder 20. Jahrhundert Fassung und Grund entfernte, zeigen oft nur in Vertiefungen Reste. Lose Schollen zu festigen ist Sache des Restaurators.
So prüfen Sie es
- weiße Schicht an Fehlstellen
- Alterssprünge durch Grund und Malschicht
- schollenartiges Abheben
- Gravuren und Punzierungen im Goldgrund
- Reste in Vertiefungen bei abgelaugten Figuren
Gefasste Skulpturen und Tafelbilder aus Kirchen mit unklarer Herkunft: Die Provenienz wird vor einem Ankauf geprüft.
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