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Material: Malerei & Grafik

Bitumen

Dunkelbraunes Erdpech, im 18. und 19. Jahrhundert als warme Lasurfarbe beliebt; verursacht breite Schwundrisse und nachdunkelnde Bildpartien.

Bitumen, auch Asphalt genannt, ist ein natürliches Gemisch aus Kohlenwasserstoffen, das als Erdpech vorkommt. In Öl oder Harz gelöst ergibt es eine transparente, tiefbraune Lasur, die Schatten Wärme und Tiefe verleiht. Maler des 18. und 19. Jahrhunderts setzten es für dunkle Hintergründe, Schatten und Untermalungen ein, besonders in der Münchner Schule und in Wien bei Hans Makart.

Bitumen trocknet nie vollständig. Die Schicht bleibt weich, schrumpft und zieht sich zu breiten, inselartigen Frühschwundrissen zusammen, zwischen denen hellere Schichten sichtbar werden; bei Wärme kann sie fließen und Falten werfen. Ein bekanntes Beispiel für Bitumenschäden ist Théodore Géricaults „Floß der Medusa“ (1819). Außerhalb der Malerei diente Asphalt als säurefester Ätzgrund in der Radierung, und Nicéphore Niépce nutzte lichtempfindliches Bitumen um 1826/27 für die älteste erhaltene Fotografie.

Für die Bewertung eines Gemäldes zählen Ausmaß und Lage der Schwundrisse: Risse in Hintergrund und Schatten stören weniger als Schäden in Gesichtern und Händen. Retuschen über Bitumenpartien sind schwierig, weil die weiche Schicht weiterarbeitet; frühere Eingriffe zeigen sich unter UV-Licht. Viele Werke von Hans Makart und Hans Canon tragen typische Bitumenschäden.

So prüfen Sie es

  • breite, inselartige Schwundrisse mit aufgewölbten Rändern
  • tiefbraune, fast schwarze Schattenpartien
  • gefaltete oder verlaufene Farbschicht
  • weiche Oberfläche bei Wärme

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