Ganze Sammlungen verkaufen
Eine Sammlung ist mehr als die Summe ihrer Stücke, wenn Ordnung, Vollständigkeit und Belege erhalten sind. Deshalb wird sie zuerst als Ganzes angesehen und erst dann Stück für Stück.
Warum Sammlungen zusammenbleiben sollten
Ein vollständiger Jahrgang, eine geschlossene Serie oder eine Sammlung mit Karteikarten und Kaufbelegen lässt sich besser einordnen als dieselben Stücke einzeln. Wer vorab die besten Stücke herausnimmt, zerstört diesen Zusammenhang, und der Rest verliert an Interesse. Fotografieren Sie die Sammlung deshalb so, wie sie ist: Alben aufgeschlagen, Laden offen, Vitrinen von vorne.
Ein Gesamtangebot berücksichtigt auch die Teile, die einzeln schwer verkäuflich wären – Dubletten, Lots mit gängigen Ausgaben, Zubehör wie Münzkästen, Steckalben und Kataloge. Für Erben, die eine Sammlung ohne eigene Fachkenntnis übernommen haben, ist das meist der einfachste Weg.
Münzen und Medaillen
Erhaltung, Prägejahr, Münzstätte und Metall bestimmen den Wert einer Münze. Die Erhaltungsgrade reichen von „schön“ (s) über „sehr schön“ (ss) und „vorzüglich“ (vz) bis „Stempelglanz“ (stgl); Polierte Platte (PP) bezeichnet eine eigene Herstellungsart für Sammler. Gereinigte oder polierte Münzen verlieren deutlich an Wert, deshalb gilt: nichts putzen, nichts aus Kapseln nehmen.
In Wiener Sammlungen häufig: Maria-Theresien-Taler, die bis heute mit der Jahreszahl 1780 nachgeprägt werden, Goldmünzen der Monarchie samt amtlichen Nachprägungen mit der Jahreszahl 1915, Silber-Gedenkmünzen in Schilling sowie Medaillen zu den Regierungsjubiläen Franz Josephs I. von 1898 und 1908. Anlagemünzen wie der Wiener Philharmoniker in Gold, ausgegeben seit 1989, werden nach Feingewicht und Tageswert beurteilt, numismatische Stücke nach Seltenheit und Erhaltung.
Briefmarken und Belege
Österreichs erste Briefmarken erschienen am 1. Juni 1850 mit dem Staatswappen als Motiv. Für den Wert einer Sammlung zählen Erhaltung – postfrisch, ungebraucht mit Falz, gestempelt –, Zähnung, Stempel, Abarten und Belege wie Briefe und Ganzsachen. Ein ganzer Umschlag mit Stempel und Laufweg sagt oft mehr als die abgelöste Marke; lösen Sie deshalb nichts ab.
Als Referenz dient für Österreich meist der ANK-Katalog (Austria-Netto-Katalog), für andere Gebiete der Michel-Katalog. Katalogwerte sind Orientierungsgrößen des Handels und keine Ankaufspreise. Bei teuren Ausgaben belegen Prüfzeichen und Atteste anerkannter Prüfer die Echtheit.
Porzellan und Uhren
Porzellansammlungen in Wien bestehen oft aus Stücken der Wiener Porzellanmanufaktur (1718–1864), aus Augarten-Porzellan, das seit 1923 hergestellt wird, sowie aus Herend, Meissen oder Rosenthal. Entscheidend sind Marke, Jahresstempel, Malernummer und Qualität der Bemalung. Ein Bindenschild in Unterglasurblau allein belegt noch kein Alter, weil er auch auf Nachahmungen vorkommt.
Bei Uhrensammlungen geht es um Werk, Hersteller, Gehäusematerial und Originalzustand. Eine Goldpunze im Gehäusedeckel, ein signiertes Zifferblatt, bei Armbanduhren Box und Papiere: Solche Details verändern die Einschätzung. Uhren, die lange gestanden sind, bitte nicht mit Gewalt aufziehen – verharztes Öl belastet das Werk.
Bücher, Ansichtskarten und Ephemera
Bei Büchern zählen Erstausgaben, Inkunabeln (Drucke vor 1501), illustrierte Werke, Einbände und Provenienzmerkmale wie Exlibris. Vollständigkeit wird Seite für Seite geprüft, denn fehlende Tafeln oder Karten mindern den Wert. Gesucht sind Wienensia wie alte Stadtpläne, Lehmanns Adressbücher und vollständige Jahrgänge der „Fackel“ von Karl Kraus; Lexika, Buchklubausgaben und Schulbücher haben dagegen in der Regel keinen Sammlerwert.
Österreich-Ungarn gab am 1. Oktober 1869 die erste amtliche Postkarte der Welt heraus, die „Correspondenz-Karte“. Gesammelt werden vor allem Ansichtskarten bis etwa 1918: lithografierte „Gruß aus“-Karten, Fotokarten mit Straßenszenen, Karten der Wiener Werkstätte. Gelaufene Karten mit lesbarem Poststempel lassen sich genau datieren; Motive aus Wiener Vorstädten mit Geschäften und Straßenbahnen sind gesucht.
Glas, Spielzeug und weitere Gebiete
Glassammlungen enthalten in Wien oft Stücke von J. & L. Lobmeyr, von Moser aus Karlsbad oder irisierendes Jugendstilglas von Loetz Witwe aus Klostermühle. Ätzsignaturen am Boden, Schliffqualität und der Abriss des Hefteisens als Zeichen für mundgeblasenes Glas helfen bei der Zuordnung. Bleikristall erkennt man an Gewicht und hellem Klang; über Hersteller und Alter sagt dieses Merkmal allein nichts.
Bei Spielzeug und Modelleisenbahnen zählen Hersteller, Spurweite, Vollständigkeit und Originalkarton: Märklin in Spur 0 oder H0, Kleinbahn aus Wien, Blechspielzeug von Schuco oder Lehmann. Gebrauchsspuren sind normal, nachlackierte oder ergänzte Teile mindern dagegen den Wert.
Rechtliche Grenzen bei Sammlungen
Manche Sammelgebiete berühren Verbote oder Nachweispflichten. Für Netsuke, Okimono und Billardkugeln aus Elfenbein gilt seit 19. Jänner 2022 die VO (EU) 2021/2280, die den Handel auf eng umschriebene Ausnahmen mit Nachweis beschränkt; Schmetterlings-, Muschel- und Korallensammlungen sowie Tierpräparate können unter CITES und die VO (EG) 338/97 fallen. Militaria-Sammlungen werden gesichtet, Objekte mit NS-Propagandacharakter sind vom Ankauf ausgeschlossen, Schusswaffen gehen an befugte Waffenhändler.
Was für die Bewertung nötig ist
Nach der Ersteinschätzung per Foto folgt die Besichtigung dort, wo die Sammlung steht. So muss nichts transportiert werden, bevor ein Angebot vorliegt, und Ordnung und Aufbewahrung bleiben unverändert. Umfangreiche Sammlungen mit Dutzenden Alben werden bei Bedarf an mehreren Terminen gesichtet.
- Übersichtsfotos der gesamten Sammlung in ihrer Aufbewahrung
- Fotos einiger typischer Albumseiten, Laden oder Tableaus
- Nahaufnahmen von Marken, Punzen, Signaturen und Rückseiten
- vorhandene Listen, Kataloge, Rechnungen und Atteste
- ungefähre Menge: Zahl der Alben, Kartons oder Schachteln
Häufige Fragen
Soll ich die Sammlung vor dem Termin sortieren?
Nein. Die vorhandene Ordnung sagt viel über Umfang und Systematik der Sammlung. Umsortieren kostet Zeit und kann Zusammenhänge auflösen.
Kaufen Sie auch unvollständige Sammlungen?
Ja. Lücken fließen in den Betrag ein, schließen einen Ankauf aber nicht aus.
Haben Euro-Münzen und moderne Gedenkmünzen Sammlerwert?
Euro-Umlaufmünzen meist nur ihren Nennwert. Gold- und Silbergedenkmünzen der Münze Österreich werden nach Metallgehalt und Nachfrage beurteilt; Originaletui und Zertifikat gehören dazu.
Ist ein Teilankauf möglich, wenn nur ein Teil interessant ist?
Ja. Das Angebot weist dann aus, welche Alben, Laden oder Konvolute angekauft werden; der Rest bleibt bei Ihnen.
Die Alben sind feucht geworden. Was tun?
Trocken und kühl lagern, nicht föhnen, nichts ablösen. Fotos der betroffenen Seiten reichen für die erste Einschätzung.
Gehören Goldmünzen zum Goldankauf oder zur Münzsammlung?
Das entscheidet das einzelne Stück. Numismatisch interessante Münzen werden nach Seltenheit und Erhaltung bewertet, Bullionmünzen und Barren nach Feingewicht zum Tageswert.
Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.
Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.
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