Kunstankauf in Wien
Ölbilder, Zeichnungen, Druckgrafik und Skulpturen vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Für eine erste Einschätzung genügen Fotos von Vorder- und Rückseite, Signatur und Maßen.
Von Alten Meistern bis zur Gegenwart
Die Spannweite in Wiener Wohnungen ist groß: niederländische Kabinettbilder und barocke Ölskizzen, Biedermeier-Porträts und Landschaften im Umkreis von Ferdinand Georg Waldmüller, Aquarelle von Rudolf von Alt, Stimmungsimpressionismus von Emil Jakob Schindler und Tina Blau, Jugendstil, Expressionismus, Nachkriegsabstraktion, Phantastischer Realismus und zeitgenössische Positionen.
Die Einordnung beginnt am Bild selbst – Malgrund, Technik, Pinselführung, Signatur – und setzt sich an der Rückseite fort. Ein Ölbild auf Holz, Kupfer oder Leinwand, eine Gouache auf Karton und ein Aquarell auf Velinpapier verlangen jeweils eigene Fragen zu Alter und Zustand. Bei Fotografie zählt der Abzug: Ein Vintage Print aus der Entstehungszeit ist anders zu bewerten als ein späterer Abzug vom selben Negativ, Fotografenstempel und Papiersorte geben Hinweise.
Rückseite, Rahmen, Provenienz
Auf Keilrahmen und Rückseite stehen oft die entscheidenden Hinweise: Etiketten von Ausstellungen im Künstlerhaus oder in der Secession, Stempel von Rahmenmachern und Farbenhändlern, Zollstempel, handschriftliche Titel, alte Inventarnummern. Entfernen Sie nichts davon und reinigen Sie die Malschicht nicht selbst. Ein Foto der gesamten Rückseite gehört zu jeder Anfrage.
Bei Werken, die zwischen 1933 und 1945 den Besitzer gewechselt haben könnten, wird die Herkunft vor einem Angebot geprüft. Die Lost-Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste und die Kunstdatenbank des Nationalfonds der Republik Österreich verzeichnen gesuchte und restitutionsrelevante Objekte; dasselbe Vorgehen gilt für Kunst, die aus Kirchen stammen könnte.
Grafik und Zeichnung: Original oder Reproduktion
Bei Arbeiten auf Papier ist die Technik die erste Frage. Eine Radierung zeigt einen Plattenrand, der ins Papier gedrückt ist; eine Lithografie hat keinen; ein Offsetdruck zeigt unter der Lupe ein regelmäßiges Punkteraster. Handsignatur in Bleistift und Auflagennummer wie 12/50 sprechen für eine Originalgrafik, eine mitgedruckte Signatur nicht.
Klimt-Grafik zeigt, wie groß die Unterschiede sein können. Gustav Klimt zeichnete vor allem mit Bleistift, Farbstift oder Kreide; daneben gibt es die Lichtdruck-Mappe „Das Werk Gustav Klimts“, die ab 1908 bei H. O. Miethke erschien, und unzählige spätere Drucke. Eine Originalzeichnung, ein Lichtdruck aus der Mappe und ein Kunstdruck der 1990er-Jahre wirken auf dem Handyfoto ähnlich und liegen im Wert weit auseinander.
Österreichische Kunst nach 1945
Christian Ludwig Attersee, 1940 in Pressburg geboren, vertrat Österreich 1984 auf der Biennale von Venedig; neben Bildern gibt es von ihm zahlreiche signierte Druckgrafiken. Erwin Wurm, 1954 in Bruck an der Mur geboren, wurde mit seinen „One Minute Sculptures“ bekannt und bespielte 2017 den österreichischen Pavillon in Venedig. Bei ihm sind Editionen und Multiples häufiger als Unikate, und die Auflagenangabe entscheidet.
Die Wiener Künstlerin Billi Thanner arbeitet mit Licht im öffentlichen Raum: Ihre „Himmelsleiter“ leuchtete zu Ostern 2021 erstmals am Südturm des Stephansdoms, die Aluminiumskulptur „Unendlichkeit des Lichtes“ zwischen den Türmen der Votivkirche wurde im Dezember 2025 erstmals beleuchtet. Für zeitgenössische Arbeiten zählen Galerierechnung oder Zertifikat, bei Editionen Auflage und Nummer sowie ein Eintrag im Werkverzeichnis, sofern eines geführt wird.
Skulptur und Plastik
Bronzen werden nach Guss, Ziselierung, Patina und Gießerstempel beurteilt; ein späterer Nachguss mit weicher, unscharfer Oberfläche und ohne Gießerzeichen ist anders zu sehen als ein zeitgenössischer Guss. Wiener Bronzen – kleine, oft kalt bemalte Tierfiguren und Genreszenen – tragen mitunter die Marke der Gießerei Bergmann. Holz-, Stein- und Terrakottaplastiken werden auf Ergänzungen, Risse und originale Fassung geprüft. Alabaster ist deutlich weicher als Marmor und wird bei Büsten und Lampenfüßen oft mit ihm verwechselt; Gewicht, Kälte der Oberfläche und Transparenz an dünnen Stellen helfen bei der Unterscheidung.
Zustand und frühere Restaurierungen
Craquelé, also das feine Rissnetz in der Malschicht, gehört zu alten Ölbildern und ist kein Mangel. Anders zu bewerten sind Farbabhebungen, Löcher in der Leinwand und großflächige Übermalungen. Im UV-Licht erscheinen spätere Retuschen meist dunkel auf dem fluoreszierenden alten Firnis; bei der Besichtigung lässt sich so abschätzen, wie viel vom Original erhalten ist.
Eine Doublierung, bei der die alte Leinwand auf eine neue aufgezogen wurde, erkennt man an der zweiten Leinwand auf der Rückseite und oft an einem neueren Keilrahmen. Sie ist bei Bildern des 18. und 19. Jahrhunderts häufig und kein Grund zur Sorge, verändert aber die Frage nach dem Zustand. Bei Arbeiten auf Papier mindern Lichtschäden, Stockflecken und säurehaltige Passepartouts den Wert; gerahmte Grafik sollte deshalb nicht in praller Sonne hängen.
So kommen Sie zu einer Einschätzung
Aus den Fotos ergibt sich eine erste Einordnung. Das Angebot folgt nach der Besichtigung, bei der Malschicht, Leinwand, Papier und Rahmen im Original zu sehen sind. Über die Betreiberin JM Räumungen e.U. gehört Antiquitäten Wien dem Landesgremium Kunst-, Antiquitäten- und Briefmarkenhandel Wien der WKW an.
- Vorderseite gerade fotografiert, ohne Blitz und ohne Spiegelung im Glas
- gesamte Rückseite samt Rahmen, Etiketten und Stempeln
- Nahaufnahme von Signatur, Datierung und Monogramm
- Maße ohne Rahmen in Zentimetern, Höhe vor Breite
- Rechnungen, Zertifikate, Ausstellungs- oder Katalognachweise
Häufige Fragen
Kaufen Sie auch Bilder unbekannter Maler?
Ja, wenn Qualität, Motiv oder Rahmen es tragen. Wiener Veduten, Blumenstillleben und Porträts des 19. Jahrhunderts sind oft unsigniert oder schwer lesbar signiert; eingeordnet werden sie dann über Malweise, Malgrund und Rückseite.
Wie erkenne ich selbst, ob meine Grafik ein Original ist?
Ein erster Test gelingt mit der Lupe: Ein gleichmäßiges Raster aus Farbpunkten deutet auf Offsetdruck. Bleistiftsignatur und Nummerierung sprechen für eine Originalgrafik, beweisen sie aber nicht, denn auch Reproduktionen wurden nachträglich signiert.
Soll ich ein verschmutztes Ölbild vorher reinigen lassen?
Nein. Eine Reinigung durch Laien kann Firnis und Lasuren abtragen, und eine Restaurierung vor dem Verkauf rechnet sich selten. Das Bild wird im vorgefundenen Zustand beurteilt.
Haben alte Rahmen einen eigenen Wert?
Oft ja: Biedermeier-Leisten, vergoldete Stuckrahmen oder Jugendstilrahmen werden gesondert gehandelt. Heben Sie auch leere Rahmen auf.
Brauche ich ein Echtheitszertifikat?
Nicht zwingend. Zertifikate, Galerierechnungen oder Nummern aus einem Werkverzeichnis erleichtern die Zuschreibung; fehlen sie, stützt sich die Einordnung auf Werk, Technik und Rückseite.
Was passiert, wenn die Herkunft eines Bildes unklar ist?
Dann wird die Provenienz geprüft, bevor ein Angebot folgt, etwa über Rückseitenetiketten, Ausstellungskataloge und Datenbanken zu NS-Raubkunst. Ergibt sich ein begründeter Verdacht, findet kein Ankauf statt.
Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.
Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.
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