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Jugendstil & Wiener Werkstätte im 9. Bezirk, 1090 Wien

Jugendstil am Alsergrund: Strudlhofstiege, Forstner, Ordinationen

Leopold Forstner führte am Althanplatz 6 seine Mosaikwerkstatt, Otto Wagner baute die Stadtbahnstationen. In Ordinationswohnungen der Berggasse blieb Mobiliar um 1900 erhalten.

Viele Gründerzeitwohnungen in der Berggasse, der Porzellangasse, der Liechtensteinstraße und an der Währinger Straße dienten von Anfang an zugleich als Ordination. Wartezimmer und Sprechzimmer erhielten um 1900 oft moderne Einrichtungen: Bugholzsessel, Garderoben, Schreibtische, Leuchten aus Messing. Wie modern Ärzte damals einrichten ließen, zeigt Josef Hoffmanns Sanatorium Purkersdorf von 1904/05. Kleiner fallen die Wohnungen am Himmelpfortgrund, in Michelbeuern und Lichtental aus, bescheidener auch die Bestände: Zinn, Glas, Postkarten, einzelne Möbel.

Leopold Forstner, der die Glasfenster der Postsparkasse ausführte, hatte seine Werkstatt am Althanplatz 6; die Gewerbeberechtigung für Glasmosaik datiert von 1908. Otto Wagner entwarf die Stadtbahnstationen an der Rossauer Lände und an der Währinger Straße, Johann Theodor Jaeger 1910 die Strudlhofstiege, deren Laternen und Brunnen Jugendstilformen tragen. Leopold Bauer, ebenfalls aus der Wagnerschule, baute ab 1913 die Nationalbank am heutigen Otto-Wagner-Platz. In der Berggasse 19 erinnert das Freud-Museum an das intellektuelle Umfeld der Wiener Moderne.

Viele Wohnungen im Bezirk waren bis 1938 in jüdischem Besitz; bei Möbeln und Objekten, die vor 1938 dort standen oder danach erworben wurden, ist die Provenienz zu klären, ehe wir einen Betrag nennen. Wird eine Ordination aufgelassen, sehen wir Wartezimmer, Sprechzimmer und Privaträume in einem Termin an. Bugholzsessel tragen Brandstempel von Kohn oder Thonet unter der Sitzfläche; ein Foto davon genügt für die erste Zuordnung.

Was in Alsergrund häufig auftaucht

  • Ordinations- und Wartezimmermobiliar um 1900 – Praxisräume an Währinger Straße und Berggasse
  • Glasmosaike und Bleiglasfenster – Umfeld der Werkstatt Leopold Forstners am Althanplatz
  • Bugholzmöbel von Jacob & Josef Kohn und Thonet – Wartezimmer und Ärztewohnungen

Alle Künstler, Marken, Epochen und Materialien

Gold markiert: mit belegtem Bezug zum 9. Bezirk.

Künstler

64

Manufakturen & Marken

52

Epochen & Stile

11

Materialien, Techniken & Punzen

26

Fragen zu Jugendstil & Wiener Werkstätte

Mein Objekt hat eine WW-Marke – ist es damit echt?

Nicht zwingend. Marken der Wiener Werkstätte wurden häufig gefälscht und nachträglich eingeschlagen. Entscheidend sind Material, Verarbeitung, Proportionen und der Vergleich mit dokumentierten Modellen im Archiv.

Was ist Gitterwerk?

Gitterwerk sind Körbe, Vasen, Jardinieren und Tafelaufsätze aus durchbrochenem Eisenblech mit quadratischem Lochmuster, meist weiß lackiert, seltener aus Silber. Josef Hoffmann und Koloman Moser entwarfen sie ab etwa 1904 für die Wiener Werkstätte.

Welche Postkarten der Wiener Werkstätte sind gesucht?

Gesucht sind Karten bekannter Künstler wie Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Rudolf Kalvach oder Moriz Jung, ungelaufene Karten in gutem Zustand und seltene Nummern. Die Nummer auf der Rückseite erlaubt die Bestimmung von Serie und Entwerfer.

Sind Möbel nach Hoffmann von Wittmann auch interessant?

Wittmann fertigt seit den 1970er-Jahren Möbel nach Entwürfen Josef Hoffmanns in Lizenz. Sie sind Neuauflagen und werden anders bewertet als Möbel der Entstehungszeit von Kohn, Thonet oder Wiener Tischlern.

Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.

Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.