Material: Hölzer & Möbelbau
Schellackpolitur
Traditionelle Möbeloberfläche aus in Alkohol gelöstem Schellack, mit dem Ballen aufgetragen und seit dem Biedermeier verbreitet.
Schellack ist ein Harz, das Lackschildläuse in Indien und Südostasien absondern. In Alkohol gelöst, wird es mit einem Ballen aus Stoff in vielen dünnen Schichten auf das Holz gerieben, bis eine tiefe, glänzende Oberfläche entsteht. Die Technik verbreitete sich im frühen 19. Jahrhundert und prägt die spiegelnden Oberflächen der Möbel des Biedermeier. Bis in die 1920er-Jahre blieb sie Standard, danach verdrängten Nitro- und später Kunstharzlacke die zeitaufwendige Handpolitur.
Eine Schellackpolitur wirkt dünn, tief und warm; die Holzstruktur bleibt sichtbar. Wasser und Hitze hinterlassen weiße Ränder, Alkohol löst die Oberfläche an. Restauratoren prüfen das Material mit einem Tropfen Spiritus an verdeckter Stelle. Moderne Lacke bilden dagegen eine dicke, kunststoffartige Schicht, die abplatzen kann. Mit der Zeit zeigt Schellack feine Haarrisse und eine mattere Oberfläche an stark beanspruchten Stellen. Im Streiflicht zeigen sich Ballenspuren als feine Wolken.
Eine originale oder fachgerecht aufgefrischte Schellackpolitur erhöht den Wert eines Biedermeier-Möbels. Abgeschliffene und mit Kunstharz lackierte Möbel verlieren an Originalität. Wasserflecken und Ringe lassen sich durch Restaurierung beheben; deshalb mindern sie den Wert weniger als eine falsche Neulackierung. Für Biedermeier-Möbel gilt eine sorgfältige Ballenpolitur als die passende Oberfläche.
So prüfen Sie es
- tiefe, dünne Glanzschicht
- weiße Ränder durch Wasser und Hitze
- Empfindlichkeit gegen Alkohol
- feine Haarrisse
- keine kunststoffartige Lackschicht
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