Afghanistan, Pakistan & Indien, Uttar Pradesh, Indien
Agra
Mogulstadt an der Yamuna; im 19. Jahrhundert Zentrum großformatiger Exportteppiche, teils in Gefängniswerkstätten geknüpft, mit persisch geprägten Mustern.
Agra war im 16. und 17. Jahrhundert eine der Hauptstädte des Mogulreichs, in der Hofwerkstätten Teppiche knüpften. Nach dem Niedergang der Hofproduktion lebte die Knüpferei im 19. Jahrhundert unter britischer Verwaltung wieder auf, unter anderem in den Gefängnissen von Agra, wo Häftlinge große Teppiche für den Export fertigten. Auf der Colonial and Indian Exhibition 1886 in London waren indische Gefängnisteppiche zu sehen.
Agra-Teppiche des 19. Jahrhunderts haben eine Baumwollkette und einen festen, eher langen Wollflor mit dem asymmetrischen Knoten, bei etwa 40.000 bis 150.000 Knoten/m². Die Muster folgen persischen Vorbildern: große Palmetten, Herati, Medaillons und Rankengitter, in Rot, Dunkelblau, Elfenbein, Grün und Hellblau. Die Formate sind häufig sehr groß, bis zu Saalteppichen von mehr als 4 × 6 m, passend für Landhäuser und Hotels.
Einrichter fragen antike Agra nach, weil ihre großen Formate und gedämpften Farben zu europäischen Räumen passen. Viele Stücke zeigen starke Gebrauchsspuren: abgelaufene Felder, eingesetzte Partien, gekürzte Enden und Löcher. Die Baumwollkette kann durch Feuchtigkeit faulen, was beim Rollen zu Rissen führt. Großformate mit erhaltenem Flor und Pflanzenfarben aus der Zeit vor 1920 finden das meiste Interesse.
Woran man es erkennt
- Großformate bis über 4 × 6 m
- Persisch geprägte Palmetten und Ranken
- Baumwollkette, fester Flor
- Gedämpfte Farben mit Hellblau und Grün
- Teils Gefängnisproduktion des 19. Jahrhunderts
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