Material: Glas
Böhmisches Glas
Glas aus den Hütten und Raffinerien Böhmens, seit dem späten 17. Jahrhundert für Schliff, Schnitt, Farbglas und Malerei bekannt.
Ende des 17. Jahrhunderts entwickelten böhmische Hütten ein kaliumreiches, klares Kreideglas, das dicker geblasen und tief geschnitten werden konnte. Damit verdrängte Böhmen das venezianische Glas von vielen Märkten. Zentren lagen in Nordböhmen um Haida und Steinschönau, im Isergebirge und im Böhmerwald. Im Biedermeier entstanden hier Farbgläser, Lithyalin und Überfangglas, im Historismus Emailgläser, um 1900 irisierende Gläser von Johann Lötz Witwe. Die Fachschule Haida und die Fachschule Steinschönau bildeten Glasveredler aus.
Böhmisches Glas lässt sich selten an einer Marke erkennen; viele Hütten und Raffineure arbeiteten ohne Signatur. Hinweise geben Form, Schliff, Farbe und Dekor im Vergleich mit Musterbüchern. Nach 1918 tragen Exportstücke häufig „Made in Czechoslovakia“, nach 1945 Etiketten staatlicher Betriebe wie „Bohemia Crystal“. Abriss, Schliffqualität und Gravurtiefe unterscheiden Handarbeit von Industrieware. Typische Biedermeier-Formen sind Ranftbecher mit dickem, geschliffenem Boden und Andenkengläser mit Ansichten von Kurorten wie Karlsbad und Marienbad.
Biedermeier-Gläser, Arbeiten der Fachschulen, Jugendstilglas und signierte Stücke bekannter Raffineure sind gesucht. Industrielles Bleikristall der Nachkriegszeit hat geringen Wert. Viele als böhmisch angebotene Gläser stammen aus anderen Regionen; die Zuordnung braucht Vergleichsstücke und Erfahrung mit Form und Schliff. Gläser aus den Kurorten mit Gravur und Datum sind beliebte Sammelstücke.
So prüfen Sie es
- tiefer Schliff und Schnitt in dickem Glas
- Farb- und Überfangglas
- Exportvermerk „Made in Czechoslovakia“
- Etiketten der Nachkriegsbetriebe
- Vergleich mit Musterbüchern
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