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Epoche

Neorenaissance

Stilrichtung, um 1860–1895

Leitstil der Ringstraße: Staatsoper, Universität, MAK und die Hofmuseen folgen Vorbildern der italienischen und deutschen Renaissance.

Mit der Schleifung der Basteien ab 1857 und dem Bau der Ringstraße suchte das liberale Bürgertum eine Formensprache für Bildung, Kunst und Wirtschaft. Die Renaissance galt als Zeit des aufstrebenden Bürgertums und des Humanismus. Gottfried Semper und Carl von Hasenauer, Heinrich von Ferstel, Theophil Hansen sowie Sicardsburg und van der Nüll gestalteten die großen Bauten. Im Interieur entstand daneben der „altdeutsche“ Stil mit Bezug auf die Renaissance nördlich der Alpen.

Fassaden zeigen Rustikasockel, Arkaden, Säulenordnungen, Sgraffito und Figurenschmuck. Möbel aus massiver, dunkel gebeizter Nuss oder Eiche: Buffets und Kredenzen mit Aufsatz, Schreibtische mit Säulen, Diamantquader, Beschlagwerk, Löwenköpfe, Hermen und gedrechselte Baluster. Glas: emailbemalte Humpen und Pokale nach altdeutschen Vorbildern. Silber und Zinn greifen Buckelpokale auf, Keramik die Majolika. Lederprägung und Tapisserie-Stoffe ergänzen die Räume. Kachelöfen mit Reliefkacheln, Kassettendecken und Wandvertäfelungen bilden den Raum. Pendulen und Standuhren erhalten Gehäuse mit Säulen, Giebeln und Figuren.

Die Staatsoper (1861–1869), das MAK-Gebäude Ferstels am Stubenring, das Hauptgebäude der Universität, das Kunst- und das Naturhistorische Museum sowie das Palais Ephrussi von Hansen gehören dazu. Das Volkstheater von Fellner und Helmer verbindet Neorenaissance mit neobarocken Motiven. J. & L. Lobmeyr fertigte Gläser in Renaissanceformen. Im Handel sind Speisezimmer, Schreibtische, Gläser und Zinn häufig; ganze Ensembles werden oft getrennt verkauft.

Neorenaissance-Möbel sind an Maschinenfräsung, wiederholten Gussornamenten, Zapfenverbindungen mit Schrauben und Sperrholzrückwänden von Originalen des 16. Jahrhunderts zu unterscheiden. Echte Renaissancestücke sind meist kleiner und haben handgeschmiedete Beschläge. Emailbemalte Gläser des Historismus haben gleichmäßige Wandstärken, Originale Schlieren und Blasen im Glas. Zinn des Historismus trägt Fabrikmarken statt Stadt- und Meisterzeichen und folgt oft Gussformen nach Renaissancevorbildern.

Woran man es erkennt

  • Rustikasockel und Arkaden
  • Säulenordnungen an Fassaden
  • dunkel gebeizte Nuss- und Eichenmöbel
  • Buffets und Kredenzen mit Aufsatz
  • Diamantquader und Beschlagwerk
  • Löwenköpfe und Hermen
  • emailbemalte Humpen
  • Lederprägetapeten

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