Kaukasus, Südkaukasus
Sileh
Kaukasisches Flachgewebe mit großen, S-förmigen Drachenmotiven in Reihen, meist aus zwei vernähten Bahnen gewebt.
Sileh ist eine Handelsbezeichnung für kaukasische Flachgewebe des 19. Jahrhunderts, die vor allem aus dem Süden des Kaukasus und dem Gebiet um Karabagh stammen. Der Name ist wie Verneh eine Sammlerbezeichnung, deren Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Die Stücke dienten als Decken und Wandbehänge. Die großen S-Formen werden häufig als stark stilisierte Drachen gedeutet und von den kaukasischen Drachenteppichen des 17. und 18. Jahrhunderts abgeleitet.
Sileh werden in Zusatzschuss- oder Schussumwicklungstechnik auf einem Grund aus Wolle gewebt. Das Feld zeigt in Reihen angeordnete, große S-förmige Motive, deren Enden in kleinen Haken auslaufen; die Reihen wechseln oft in Farbe und Richtung. Rot, Blau, Gelb, Elfenbein und Braun dominieren. Typisch ist die Herstellung in zwei schmalen Bahnen, die in der Mitte vernäht sind; übliche Größen liegen um 1,8 × 2,8 m.
Antike Sileh sind seltene Stücke und bei Sammlern gefragt. Die Zusatzschüsse sind empfindlich und reißen bei Gebrauch am Boden; verbreitet sind Löcher, Mottenfraß, gelöste Mittelnähte und unterschiedlich ausgeblichene Bahnen. Fehlende Kantenstreifen und Enden kommen häufig vor. Gut lesbare S-Motive und eine erhaltene Mittelnaht sind für die Beurteilung wesentlich; später ersetzte Bahnen mindern den Wert.
Woran man es erkennt
- Große S-förmige Drachenmotive in Reihen
- Flachgewebe ohne Flor
- Aus zwei Bahnen vernäht
- Rot, Blau, Gelb und Elfenbein
- Hakenförmige Enden der S-Motive
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