Technik & Formate, Anatolien bis Zentralasien
Kelim
Flachgewebe ohne Flor in Schlitzwirkerei, bei dem die farbigen Schüsse die Kette verdecken; beidseitig verwendbar, von Anatolien bis Zentralasien.
Kelim, türkisch Kilim, bezeichnet florlose Flachgewebe in Wirktechnik. Sie gehören zu den ältesten Textilformen des Orients und wurden in Anatolien, im Kaukasus, in Persien, Afghanistan, Zentralasien und auf dem Balkan gewebt. Kelims dienten als Bodenbelag, Zeltbehang, Decke, Vorhang, Gebetsunterlage und Verpackung. Im Westen fanden sie seit den 1970er Jahren als eigenständige Sammelgattung Beachtung.
Ein Kelim entsteht durch Wirken: Farbige Schussfäden werden nur innerhalb ihrer Farbfläche hin- und hergeführt und dicht angeschlagen, sodass sie die Kette verdecken. Wo zwei Farbflächen senkrecht aneinanderstoßen, bleibt ein Schlitz, daher der Name Schlitzwirkerei. Um lange Schlitze zu vermeiden, bevorzugt man diagonale und gestufte Muster. Verwandte Techniken sind die Verzahnung, bei der sich die Schüsse benachbarter Farben verschränken, sowie Zusatzschüsse wie Dschidschim, Zili und Sumakh.
Kelims sind leicht, beidseitig verwendbar und empfindlich: Schlitze reißen weiter auf, Mottenfraß zerstört die dünnen Schüsse, und Nässe lässt Farben bluten. Häufig sind Löcher, ausgefranste Enden, gelöste Mittelnähte und ausgeblichene Partien. Ältere Kelims mit Pflanzenfarben und vollständigen Enden sind gefragt; künstlich gealterte Neuware erkennt man an gleichmäßig matten Farben. Bei Restaurierungen werden Schüsse nachgewirkt und Schlitze vernäht.
Woran man es erkennt
- Kein Flor, beidseitig verwendbar
- Schlitze an senkrechten Farbgrenzen
- Diagonale und gestufte Muster
- Wollkette und Wollschuss
- Oft aus zwei Bahnen vernäht
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