Muster & Motive, Westanatolien
Holbein- und Lotto-Muster
Anatolische Teppichmuster des 15. und 16. Jahrhunderts, benannt nach den Malern Hans Holbein d. J. und Lorenzo Lotto, die sie auf Gemälden darstellten.
Weil frühe anatolische Teppiche nur selten erhalten sind, benennt die Forschung sie nach europäischen Gemälden, auf denen sie erscheinen. Hans Holbein der Jüngere malte einen solchen Teppich in den Gesandten von 1533, heute in der National Gallery in London. Lorenzo Lotto zeigte den Typ mit gelbem Arabeskengitter unter anderem auf einem Familienbildnis von 1547. Kurt Erdmann ordnete die Holbein-Teppiche in vier Typen; Typ I entspricht dem Lotto-Muster.
Holbein-Teppiche zeigen kleine oder große Achtecke, die in Reihen über das Feld laufen und von Flechtbandrahmen umgeben sind, oft mit einer Bordüre aus kufischen Schriftzeichen, auf rotem oder grünem Grund. Lotto-Teppiche haben ein gelbes Gitter aus Arabesken und Palmetten auf rotem Grund, dazu häufig kufische oder Wolkenbandbordüren. Beide Typen entstanden in Westanatolien, die Lotto-Teppiche vor allem im Raum Ushak; geknüpft sind sie mit dem symmetrischen Knoten in Wolle.
Originale des 15. und 16. Jahrhunderts befinden sich in Museen, etwa im Museum für Islamische Kunst in Berlin, und in siebenbürgischen Kirchen, wo sie als Stiftungen erhalten blieben. Im Handel begegnen Teppiche des 19. und 20. Jahrhunderts mit Holbein- oder Lotto-Muster, aus Anatolien, aus europäischen Manufakturen und aus neueren Werkstätten. Eine sichere Datierung früher Fragmente erfordert Materialanalysen.
Woran man es erkennt
- Benannt nach Holbein und Lotto
- Holbein: Achtecke mit Flechtband
- Lotto: gelbes Arabeskengitter auf Rot
- Kufische Bordüren
- Erdmanns Typen I bis IV
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