Antiquitäten WienAnkauf von Kunst und Nachlässen
Antiquitäten Wien

Epoche

Russische Ikonenmalerei

Stilrichtung, um 1100–1917

Orthodoxe Kultbilder auf Lindenholz in Eitempera, von Rubljow über die Stroganow-Schule bis zu den Ikonendörfern des 19. Jahrhunderts – oft mit silbernem Oklad.

Mit der Taufe der Kiewer Rus 988 übernahm Russland die byzantinische Bildtradition. Zentren der Ikonenmalerei waren Nowgorod, Pskow und ab dem 14. Jahrhundert Moskau mit Theophanes dem Griechen, Andrej Rubljow und Dionissi. Um 1600 entstand die feine Stroganow-Schule, im 17. Jahrhundert prägte Simon Uschakow die Rüstkammer des Kreml. Nach der Kirchenspaltung von 1666 hielten die Altgläubigen an älteren Formen fest. Im 19. Jahrhundert produzierten Dörfer wie Palech, Mstjora und Cholui Ikonen in großer Zahl.

Ikonen werden auf Lindenholz gemalt, oft mit vertieftem Bildfeld (Kowtscheg) und rückseitigen Querleisten (Schponki) gegen Verzug. Auf Leinwand und Kreidegrund (Lewkas) folgen Vorzeichnung, Blattgold und Eitempera; Olifa, ein Leinölfirnis, dunkelt nach. Bildtypen folgen festen Vorlagen: Gottesmutter Hodegetria und Eleusa, Christus Pantokrator, Heilige, Feste. Metallbeschläge aus Silber oder Messing (Oklad, Riza) decken das Bild bis auf Gesicht und Hände ab, oft mit Email oder Filigran. Reiseikonen aus Messingguss, oft mit Email, stammen vielfach aus Werkstätten der Altgläubigen.

Die russisch-orthodoxe Kathedrale zum Heiligen Nikolaus in der Jaurèsgasse, 1893 bis 1899 erbaut, besitzt eine Ikonostase und Ikonen in russischer Tradition. Im Wiener Handel erscheinen vor allem Ikonen des 18. und 19. Jahrhunderts, Reiseikonen aus Messing, Ikonen mit Silberoklad sowie Hausikonen aus den Ikonendörfern. Bei unklarer Herkunft prüfen wir die Provenienz, auch im Hinblick auf Ausfuhrbestimmungen der Herkunftsländer. Auch griechische und balkanische Ikonen erscheinen.

Viele „alte“ Ikonen sind jung bemalte Tafeln auf alten Brettern oder künstlich gealtert; Wurmlöcher ohne Gänge, gleichmäßig aufgetragene Patina und moderne Pigmente verraten sie. Silberoklade tragen Moskauer oder Petersburger Beschauzeichen, Meistermarke und Feingehalt in Solotnik, etwa 84 für 875/1000; ab 1896 erscheint der Kokoschnik-Kopf. Gefälschte Punzen sind häufig, Vergleich mit Markenwerken ist nötig.

Woran man es erkennt

  • Lindenholz mit Kowtscheg
  • rückseitige Querleisten (Schponki)
  • Kreidegrund (Lewkas) mit Blattgold
  • Eitempera und nachgedunkelte Olifa
  • feste Bildtypen wie Hodegetria
  • Oklad aus Silber oder Messing
  • Email und Filigran am Beschlag
  • Solotnik-Feingehalt und Kokoschnik-Punze

Künstler

  • Theophanes der Grieche
  • Andrej Rubljow
  • Dionissi
  • Simon Uschakow

Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.

Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.