Epoche
Frühbarock
Epoche, um 1600–1680
Übergang von der Renaissance zum Barock mit Knorpelwerk, gedrehten Säulen und Ebenholz – in Wien an Dominikanerkirche und Servitenkirche greifbar.
Der Frühbarock geht von Rom aus, wo Carlo Maderno und Caravaggio um 1600 neue Raum- und Lichtwirkungen schufen. In Wien setzte er nach dem Dreißigjährigen Krieg mit der Gegenreformation ein: Jesuiten, Dominikaner, Serviten und Karmeliter bauten neue Kirchen, Baumeister kamen aus Oberitalien, etwa die Familien Carlone und Canevale. Unter Leopold I. entstand ab 1660 der Leopoldinische Trakt der Hofburg. Die Universitätskirche der Jesuiten wurde 1631 geweiht.
Bauten zeigen kräftige Pilaster, Giebelsprenger und Stuckdecken mit schweren Fruchtgehängen. Typisches Ornament ist das Knorpel- oder Ohrmuschelwerk – teigige, fleischige Formen ohne klare Kontur. Möbel: Kabinettschränke mit Ebenholzfurnier und Wellenleisten, Fassadenschränke mit Säulen, gedrehte Beine und Kugelfüße. Augsburger Silber wird getrieben, Böhmen entwickelt den Glasschnitt. In der Malerei prägen Rubens, van Dyck und die flämische Kabinettmalerei mit kleinformatigen Blumen- und Landschaftsbildern auf Kupfer den Geschmack. Bildnisse des Hofes zeigen die schwarze spanische Tracht mit Mühlsteinkragen.
Die Dominikanerkirche in der Postgasse, 1631 bis 1634 errichtet, und die Servitenkirche in der Rossau mit ovalem Hauptraum gehören zu den frühesten Barockkirchen Wiens. Die Fassade der Kirche Am Hof stammt von 1662, die bronzene Mariensäule davor von 1667. Im Handel erscheinen flämische Kabinettbilder, Wellenleistenrahmen, Zinn, Fayencen der Habaner und Truhen mit Knorpelwerk. Das Kunsthistorische Museum besitzt einen der größten Rubens-Bestände, darunter den Ildefonso-Altar.
Kabinettbilder auf Kupfer erkennt man an der glatten Rückseite mit Hammerspuren oder Beschauzeichen der Antwerpener Plattenmacher. Echte Wellenleisten sind mit Handhobeln und Ziehmessern in Ebenholz oder geschwärztem Birnbaum gearbeitet; Nachbauten sind gefräst und lackiert. Bei Kopien nach Rubens oder Brueghel klären Malgrund, Pigmente und Provenienz die Entstehungszeit. Eichenholztafeln aus Antwerpen tragen häufig das eingebrannte Zeichen der Lukasgilde.
Woran man es erkennt
- Knorpel- und Ohrmuschelwerk
- Wellen- und Flammleisten
- gedrehte Säulen und Kugelfüße
- Ebenholzfurnier auf Nadelholzkorpus
- schwere Stuckfruchtgehänge
- Kabinettmalerei auf Kupfer
- Böhmischer Glasschnitt
- Habaner Fayence
Frühbarock verkaufen: in allen 23 Bezirken
Gold markiert sind Bezirke mit belegtem Bezug.
Innere Stadt
Dominikanerkirche (1631–1634), Fassade der Kirche Am Hof (1662) mit Mariensäule (1667), Leopoldinischer Trakt der Hofburg.
Alsergrund
Servitenkirche in der Rossau mit ovalem Zentralraum, ab 1651 errichtet.
Leopoldstadt
Karmeliterkirche in der Karmelitergasse, im frühen 17. Jahrhundert begonnen.
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