Manufaktur: Keramik
Habaner Fayence
Südmähren und Westslowakei, 16. bis 18. Jahrhundert
Fayence der Habaner, täuferischer Glaubensflüchtlinge in Mähren und der Westslowakei; Krüge und Teller mit Blumenmalerei seit dem 16. Jahrhundert.
Die Habaner waren Angehörige der täuferischen Hutterer, die im 16. Jahrhundert aus Tirol, der Schweiz und Süddeutschland nach Mähren und in das damalige Oberungarn, die heutige Westslowakei, flohen. In ihren Gemeinschaftshöfen betrieben sie Handwerke, darunter die Fayencetöpferei, die sie aus Italien und der Schweiz mitbrachten. Nach der Vertreibung aus Mähren 1622 und der Rekatholisierung im 17. und 18. Jahrhundert lebte das Handwerk in slowakischen Werkstätten fort, aus denen die Volksfayence von Modra hervorging.
Die Habaner fertigten Krüge, Teller, Schüsseln, Apothekergefäße und Flaschen mit weißer Zinnglasur und Malerei in Blau, Grün, Gelb und Manganviolett. Frühe Stücke zeigen stilisierte Blumen, Blätter und Ornamente in strenger Anordnung, ohne figürliche Darstellungen, später kamen Tiere, Figuren und Zunftzeichen hinzu. Häufig tragen die Gefäße Jahreszahlen, Initialen oder Inschriften. Zinnmontierungen an Krügen sind oft original und gelegentlich graviert. Die Gefäße dienten dem Gebrauch.
Habaner Fayence ist ungemarkt; datierte Stücke liefern die wichtigsten Anhaltspunkte. Im 19. und 20. Jahrhundert entstanden in der Slowakei und Mähren zahlreiche Nachahmungen im Habaner Stil, oft mit frühen Jahreszahlen im Dekor. Sie unterscheiden sich durch gleichmäßigere Glasur, hellere Farben und weniger gealterte Oberflächen. Brennrisse, Glasurabplatzer und Abnutzung an Rändern sind bei echten Stücken die Regel und gehören zur Beschreibung.
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