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Antiquitäten Wien

Epoche

Zopfstil

Stilrichtung, um 1760–1790

Übergang vom Rokoko zum Klassizismus im deutschen Sprachraum: Festons, Vasen und Perlstab ersetzen die Rocaille, Möbelbeine werden gerade.

Der Name spielt auf den Haarzopf der Perücken an, den die Mode nach 1760 an die Stelle der Allongeperücke setzte. Im 19. Jahrhundert wurde er abwertend für den als pedantisch empfundenen Übergangsstil verwendet. Auslöser waren die Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji ab 1738/48 und die Schriften Johann Joachim Winckelmanns. In Österreich fällt der Zopfstil in die späte Regierung Maria Theresias und die Mitregentschaft Josephs II.

Möbel werden geradlinig, die geschweifte Kommode weicht dem Kasten mit kantigem Umriss und vierkantigen, nach unten verjüngten Beinen, oft kanneliert. Ornamente: herabhängende Festons und Girlanden, Schleifen, Vasen und Urnen, Medaillons, Perlstab, Mäander und Rosetten. Marketerien bilden geometrische Würfelfriese und Bänder. Porzellan wird strenger, mit Goldrändern und Grisaillemedaillons. Silber nimmt Urnen- und Helmformen an. Farbig dominieren gedämpfte Töne und viel Weiß. Sitzmöbel erhalten ovale oder rechteckige Lehnen mit gedrechselten Stäben, Spiegel eine Bekrönung mit Vase und Tuchgehänge.

In den Gärten von Schönbrunn ließ Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg ab 1775 die Gloriette, die Römische Ruine und den Obelisken errichten. Wiener Bürgerhäuser dieser Jahre tragen Fassaden mit Festons und Vasen. Im Handel begegnen Zopfstil-Kommoden, Sekretäre, Spiegel mit Schleifenbekrönung, Silberleuchter und Porzellan; häufig werden sie als „josephinisch“ oder „Louis-seize“ angeboten, was den regionalen Kontext verwischt. Kupferstichvorlagen von Jean-Charles Delafosse verbreiteten das Ornament.

Echte Möbel tragen Bandintarsien aus Ahorn, Zwetschke und gefärbten Hölzern, eingelegt in handgesägtes Furnier; Kanneluren sind mit Hobeln gezogen. Spätere Wiederholungen des Historismus um 1880 und um 1910 zeigen gleichmäßige Maschinenfurniere und Fräsprofile. Messingbeschläge mit Gussgrat und Handziselierung sprechen für die Zeit, gestanzte Bleche für spätere Fertigung. Spiegelgläser der Zeit sind dünn, leicht wellig und mit Zinn-Quecksilber belegt.

Woran man es erkennt

  • gerade, verjüngte Vierkantbeine
  • Kanneluren
  • Festons, Girlanden und Schleifen
  • Vasen und Urnen als Bekrönung
  • Perlstab und Mäander
  • Würfelfries-Marketerie
  • Medaillons mit Grisaillen
  • kantiger Kommodenumriss

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