Antiquitäten WienAnkauf von Kunst und Nachlässen
Antiquitäten Wien

Epoche

Louis-seize

Stilrichtung, um 1760–1792

Französischer Frühklassizismus unter Ludwig XVI.: kannelierte Beine, Rosettenwürfel und Blumenkörbe – um 1900 in Wien vielfach neu aufgelegt.

Schon vor dem Regierungsantritt Ludwigs XVI. 1774 wandten sich Pariser Ebenisten vom Rokoko ab und griffen antike und Renaissance-Vorbilder auf. Die Pariser Zunftordnung schrieb Meisterstempel vor, die bis 1791 galten und heute zur Bestimmung dienen. Marie Antoinette förderte Ebenisten wie Jean-Henri Riesener. Über Kupferstichvorlagen und den Austausch zwischen den Höfen, verstärkt durch die habsburgisch-französische Heirat von 1770, gelangte der Stil nach Wien.

Möbel haben gerade, nach unten verjüngte Beine mit Kanneluren und an den Zargenecken Würfel mit Rosetten. Fronten sind rechteckig, oft mit Bronzeleisten gerahmt. Marketerien zeigen Blumenkörbe, Trophäen, Würfel- und Rautenmuster; Riesener und andere verwendeten Mahagoni und Edelhölzer. Vergoldete Bronzen bilden Perlstäbe, Lorbeerstäbe, Bänder und Schleifen. Sitzmöbel: Medaillonlehnen, ovale Rücken, gedrechselte Beine. Porzellan aus Sèvres trägt Fondfarben wie Bleu céleste mit Goldrand. Pendulen in Form von Vasen, Lyren und Tempeln mit Emailzifferblättern prägen die Uhrmacherkunst.

In Wien wurde der Stil ab etwa 1890 als Neo-Louis-seize für Salons der Ringstraßenzeit wiederaufgelegt, und um 1910 griffen Tischler und Raumausstatter ihn erneut auf. Das Hofmobiliendepot in der Andreasgasse zeigt höfische Möbel aus dem 18. Jahrhundert an. Im Wiener Handel überwiegen Stilmöbel dieser Wiederholungen; französische Originale mit Meisterstempel sind selten. Kaminuhren, Leuchter und Bronzeappliken sind häufig. Auch das Wiener Porzellan der Sorgenthal-Zeit griff Formen des Louis-seize auf.

Pariser Originale tragen eingeschlagene Meisterstempel und das Zunftzeichen JME unter Zargen und Platten. Nachbauten des 19. Jahrhunderts haben gefräste Kanneluren mit exakt gleichem Profil, galvanisch vergoldete Gussbronzen ohne Ziselierung und Schrauben mit Maschinengewinde. Sitzmöbel der Zeit sind mit Zapfen und Holznägeln verbunden, nicht geleimt und verschraubt. Marketerien der Zeit sind durch Brandschattierung in heißem Sand modelliert.

Woran man es erkennt

  • gerade, kannelierte, verjüngte Beine
  • Rosettenwürfel an den Zargenecken
  • Medaillonlehnen bei Sesseln
  • Marketerie mit Blumenkörben und Trophäen
  • Perlstab, Lorbeerstab und Schleifen in Bronze
  • rechteckige, gerahmte Fronten
  • Meisterstempel und Zunftzeichen JME
  • Sèvres-Porzellan mit Fondfarben

Künstler

  • Jean-Henri Riesener
  • David Roentgen

Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.

Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.