Epoche
Naturalismus
Kunstbewegung, um 1870–1900
Zuspitzung des Realismus zur wissenschaftlich genauen Naturwiedergabe – in Malerei, Plastik und floralem Kunsthandwerk vor dem Jugendstil.
Der Naturalismus übertrug die Ansprüche der Naturwissenschaften auf Kunst und Literatur; Émile Zola formulierte ihn für den Roman. In der Malerei standen Jules Bastien-Lepage in Frankreich und Wilhelm Leibl und sein Kreis in München dafür. Die Pleinairmalerei der Schule von Barbizon und die Fotografie lieferten Methoden der genauen Beobachtung. In Österreich verband sich der Naturalismus mit dem Stimmungsimpressionismus um Emil Jakob Schindler.
Bilder zeigen Menschen in ihrem Milieu – Bauern, Fischer, Arbeiter – in großem Format und mit fotografischer Schärfe, oft im Freien gemalt, mit kühlem, gleichmäßigem Tageslicht. Landschaften verzichten auf romantische Steigerung. In der Plastik entstehen Tierstudien und Arbeiterfiguren. Kunsthandwerk und Porzellanmalerei zeigen botanisch genaue Blumen, Früchte und Insekten. Wiener Bronzen bilden Tiere in naturgetreuer Größe und Bemalung; Glas und Silber übernehmen Pflanzenmotive. Studien von Pflanzen und Tieren entstanden oft direkt vor dem Objekt in Aquarell oder Öl auf Karton.
Theodor von Hörmann und Olga Wisinger-Florian malten Landschaften und Gärten mit großer Genauigkeit; Max Liebermanns frühe Arbeiterbilder gehören zur internationalen Richtung. Das Belvedere besitzt österreichische Landschaftsmalerei dieser Jahrzehnte. Im Handel sind naturalistische Tierbronzen, Blumenbilder, Porzellan mit Pflanzendekor und Landschaftsstudien gängig und bilden die Vorstufe des floralen Jugendstils. Viele Bilder entstanden für die Jahresausstellungen des Künstlerhauses, deren Kataloge heute die Datierung erleichtern.
Naturalistische Gemälde werden oft dem Stimmungsimpressionismus zugeordnet; Unterschiede liegen in der Schärfe der Details und der neutralen Lichtführung. Wiener Tierbronzen aus der Zeit haben Kaltbemalung in mehreren Schichten auf Bronze; spätere Güsse aus Zink oder Messing klingen anders und zeigen Abrieb an hellem Kern. Porzellanmalerei lässt sich über Manufakturmarke und Malersignatur zuordnen.
Woran man es erkennt
- fotografisch genaue Detailwiedergabe
- Menschen im Arbeits- und Lebensmilieu
- Freilichtmalerei mit neutralem Tageslicht
- großformatige Bauern- und Fischerbilder
- botanisch genaue Blumenmalerei
- naturgetreue Tierbronzen
- Landschaft ohne romantische Steigerung
- Pflanzenmotive in Glas und Silber
Künstler
Manufakturen & Werkstätten
- Franz Bergmann
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