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Antiquitäten Wien

Epoche

Manierismus

Epoche, um 1520–1620

Späte Renaissance der Höfe: gelängte Figuren, kostbare Materialien und Kunstkammerstücke – in Wien gesammelt von Maximilian II. und Rudolf II.

Der Manierismus entwickelte sich nach 1520 in Florenz und Rom und wurde zur Sprache der europäischen Fürstenhöfe. Für Österreich entscheidend sind die Habsburger: Giuseppe Arcimboldo trat 1562 in den Dienst Ferdinands I. in Wien, Maximilian II. und vor allem Rudolf II. versammelten in Prag Maler, Bildhauer und Steinschneider. Die Kunstkammer verstand sich als Abbild der Welt; ihre Bestände gelangten großteils nach Wien.

Gemälde zeigen gelängte, gedrehte Körper (figura serpentinata), kühle Farbigkeit, gesuchte Perspektiven und allegorische Bildrätsel. Bronzen in kleinem Format, Pietra-dura-Bilder aus eingelegten Halbedelsteinen, geschnittener Bergkristall, gedrechseltes Bein und montierte Naturalien wie Nautilus und Kokosnuss bilden die Kunstkammerobjekte. Möbel: Kabinettschränke aus Ebenholz mit Schubladen, Silberbeschlägen und Steineinlagen. Ornamentik: Rollwerk, Beschlagwerk, Grotesken und Maskarons. Die Prager Hofwerkstätten beschäftigten die Steinschneider der Familie Miseroni und Pietra-dura-Meister der Familie Castrucci. Goldschmiede fassten Bezoare, Straußeneier und Kokosnüsse in vergoldetes Silber.

Das Kunsthistorische Museum zeigt Arcimboldos Jahreszeiten- und Elemente-Bilder sowie Werke von Bartholomäus Spranger und Hans von Aachen; die Kunstkammer bewahrt Prager Hofarbeiten. Die Rudolfinische Hauskrone von 1602 liegt in der Weltlichen Schatzkammer der Hofburg. Im Handel erscheinen Kupferstiche nach Spranger von Hendrick Goltzius, Kabinettschränke, Kleinbronzen und gefasste Naturalien; Elfenbein und Schildpatt unterliegen den Handelsbeschränkungen der EU und des Artenschutzes. Auch Prager Glasschnitt gehört dazu.

Kleinbronzen wurden im 19. Jahrhundert vielfach nachgegossen; späte Güsse wirken unscharf in Details, Gussnähte sind maschinell entfernt, die Patina ist einheitlich. Echte Kabinettschränke haben massive Nadelholzkorpusse mit Ebenholzfurnier in handgesägter Stärke. Bei Kupferstichen bestimmen Zustand der Platte, Papier und Wasserzeichen, ob ein zeitgenössischer Abzug vorliegt. Bergkristallgefäße der Zeit zeigen Schleifspuren von Rad und Bohrer.

Woran man es erkennt

  • gelängte, gedrehte Figuren
  • kühle, irisierende Farbigkeit
  • allegorische Kompositköpfe
  • Kleinbronzen für die Kunstkammer
  • Pietra-dura-Einlagen
  • geschnittener Bergkristall
  • Ebenholzkabinette mit Schubladen
  • montierte Naturalien wie Nautilus

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