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Antiquitäten Wien

Epoche

Gotik

Epoche, um 1230–1500

Spitzbogen, Maßwerk und Hallenkirche: Die Gotik formte den Stephansdom, Maria am Gestade und die Augustinerkirche in der Wiener Innenstadt.

Die Gotik entstand um 1140 in der Île-de-France und erreichte Österreich im frühen 13. Jahrhundert. In Wien trug sie zunächst die Bettelorden – Minoriten und Augustiner –, dann die Habsburger, die nach 1278 die Stadt zur Residenz machten. Herzog Rudolf IV. legte 1359 den Grundstein zum gotischen Langhaus von St. Stephan und gründete 1365 die Universität. Der Name „gotisch“ war ursprünglich abwertend gemeint und stammt aus der italienischen Renaissance.

Konstruktiv beruht die Gotik auf Spitzbogen, Kreuzrippengewölbe und Strebewerk; Wände lösen sich in Fensterflächen auf. Maßwerk aus Kreisen, Pässen und Fischblasen gliedert Fenster, Truhen und Schreinwerk. Skulpturen zeigen S-förmig geschwungene Körper, weich fallende Schüsselfalten und lieblichen Ausdruck (Schöne Madonnen um 1400). Tafelbilder entstehen in Tempera auf Holz mit punziertem Goldgrund. Im Möbelbau herrschen Truhen und Kastenmöbel aus Nadelholz oder Eiche mit Eisenbeschlägen; Goldschmiede fertigen Monstranzen, Kelche und Reliquiare mit architektonischen Motiven.

Wien besitzt mit dem Albertinischen Chor von St. Stephan (geweiht 1340) und dem 1433 vollendeten Südturm Hauptwerke der Hochgotik. Maria am Gestade mit siebeneckigem Turm und Kuppelhelm, die Augustinerkirche (geweiht 1349) und die Minoritenkirche bewahren gotische Innenräume. Die Mittelaltersammlung des Belvedere zeigt Tafelmalerei des Donau- und Alpenraums, das Wien Museum Originalskulpturen vom Dom. Im Handel tauchen Einzelfiguren, Tafelfragmente und Beschläge auf; geschlossene Altäre sind fast ausnahmslos museal.

Viele „gotische“ Stücke stammen aus der Neogotik des 19. Jahrhunderts. Originale Skulpturen sind rückseitig meist ausgehöhlt, um Rissbildung zu verhindern, und tragen mehrere Fassungsschichten über Kreidegrund. Nachschnitzereien zeigen maschinengleiche Symmetrie, künstliche Wurmgänge ohne Verlauf und Beize statt Fassung. Tafelbilder lassen sich dendrochronologisch datieren. Sakrale Objekte prüfen wir auf Herkunft aus Kirchenbesitz.

Woran man es erkennt

  • Spitzbogen und Kreuzrippengewölbe
  • Maßwerk mit Pässen und Fischblasen
  • S-Schwung der Figur
  • Schüsselfalten bei Madonnenfiguren
  • punzierter Goldgrund
  • ausgehöhlte Skulpturenrückseite
  • Truhen mit Eisenbändern
  • Fialen und Wimperge als Ornament

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