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Manufaktur: Glas & Kristall

Saint-Louis

Saint-Louis-lès-Bitche (Lothringen), Hütte seit 1586, königliches Privileg 1767

Lothringische Kristallmanufaktur mit Ursprung 1586; erstes Bleikristall Kontinentalfrankreichs, Millefiori-Briefbeschwerer und Service Tommy.

Die Glashütte im Tal von Münzthal in Lothringen wird 1586 erstmals erwähnt. 1767 verlieh Ludwig XV. ihr den Titel Verrerie Royale de Saint-Louis. Um 1781 gelang hier als erster Hütte Kontinentalfrankreichs die Herstellung von Bleikristall nach englischem Vorbild. Im 19. Jahrhundert stand Saint-Louis in direkter Konkurrenz zu Baccarat und arbeitete zeitweise mit ihr im Vertrieb zusammen. Seit 1989 gehört die Manufaktur zur Hermès-Gruppe und produziert weiterhin am alten Standort.

Zwischen etwa 1845 und 1860 schuf Saint-Louis Briefbeschwerer aus Millefiori, Lampenarbeit, Überfang und gedrehten Fäden, darunter Stücke mit Früchten, Reptilien und Blumensträußen. Das Trinkservice Tommy mit geschliffenem Kelch geht auf 1928 zurück und blieb im Programm. Daneben entstanden Luster, farbig überfangene Gläser, Karaffen und Flakons sowie ab den 1950er-Jahren wieder Briefbeschwerer in Kleinauflagen, oft datiert und nummeriert. Die Briefbeschwerer der klassischen Periode gelten als Gegenstück zu jenen aus Baccarat und Clichy.

Klassische Briefbeschwerer tragen gelegentlich einen Stab mit „SL“ und Jahreszahl, die meisten bleiben unsigniert und werden nach Machart und Motiven bestimmt. Moderne Auflagen sind regelmäßig signiert und mit Jahreszahl versehen. Kristallgläser des 20. Jahrhunderts tragen eine kleine geätzte Marke mit dem Namen der Manufaktur. Zur Abgrenzung von Baccarat und Clichy dienen Farbpalette, Aufbau der Millefiori-Stäbe und die Ausführung des Bodens.

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