Manufaktur: Glas & Kristall
Graf Harrach'sche Glashütte
Neuwelt (Harrachov), Riesengebirge, seit 1712
Glashütte der Grafen Harrach in Neuwelt im Riesengebirge; Biedermeier-Farbglas, Emailarbeiten des Historismus und Jugendstilvasen.
Die Hütte in Neuwelt am Südhang des Riesengebirges gehörte seit ihrer Gründung 1712 der gräflichen Familie Harrach, deren Wiener Stadtpalais an der Freyung steht. Im 19. Jahrhundert zählte sie zu den größten Glasbetrieben Böhmens und lieferte sowohl Rohglas an Raffinerien als auch fertige Kunstglaswaren. Nach 1945 wurde der Betrieb verstaatlicht; in Harrachov wird bis heute Glas geblasen. Die Lage an der Grenze zu Schlesien verband die Hütte mit den Absatzwegen beider Länder.
Aus der Biedermeierzeit stammen Farbgläser in Rubin, Grün und Blau sowie Überfanggläser mit Schliff und Goldmalerei. Im Historismus fertigte Harrach emailbemalte Pokale, Vasen im orientalisierenden Stil und Gläser mit reicher Vergoldung. Um 1900 folgten irisierende und geätzte Jugendstilvasen sowie mehrschichtige Überfangarbeiten nach dem Vorbild französischer Kameogläser. Vieles ging an Händler, die unter eigenem Namen verkauften. Für den Alltag entstanden Trinkservice, Karaffen und Flakons in farblosem und farbigem Glas.
Harrach-Glas des 19. Jahrhunderts ist in der Regel ungemarkt; Zuschreibungen beruhen auf Musterbüchern, Formen und Dekornummern. Aus dem 20. Jahrhundert finden sich gelegentlich Papieretiketten, nach 1945 tschechoslowakische Exportetiketten. Ähnliche Biedermeier-Farbgläser erzeugten auch andere böhmische Hütten, deshalb bleibt eine Herkunftsangabe ohne belegtes Vergleichsstück vorsichtig. Bei Überfanggläsern zeigt der Querschnitt an den Schliffkanten, wie viele Farbschichten aufeinanderliegen. Für die Datierung helfen Bodenschliff, Abnutzung und die Art der Vergoldung, die im 19. Jahrhundert eingebrannt und mit dem Achat poliert wurde.
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