Epoche
Neobarock
Stilrichtung, um 1870–1914
Späte Phase des Historismus, die den Wiener Barock zitierte: Neue Burg, Michaelertrakt und Theaterbauten von Fellner und Helmer.
Nach 1870 verlagerte sich der Historismus in Wien vom Renaissance- zum Barockvorbild. Der Barock galt als habsburgischer Nationalstil der Gegenreformation und der Türkensiege und eignete sich für Hof, Armee und Theater. Gottfried Semper und Carl von Hasenauer planten das Kaiserforum mit der Neuen Burg, Ferdinand Kirschner vollendete 1889 bis 1893 den Michaelertrakt nach Plänen Fischer von Erlachs. Das Büro Fellner und Helmer baute Theater in ganz Mitteleuropa.
Fassaden zeigen Kolossalordnungen, Kuppeln, Atlanten, Kartuschen und reichen Bauschmuck aus Stein und Zinkguss. Innen dominieren Stuckmarmor, vergoldete Decken und Spiegelwände. Möbel: Schreibtische und Salonmöbel mit geschnitzten Muscheln, Bandelwerk und Rocaillen, Vitrinen mit gewölbten Gläsern, Kommoden mit Bronzebeschlägen. Im Wiener Handel heißt diese Gruppe häufig „Maria-Theresien-Stil“, ebenso der Kristallluster mit Glasstangen und Prismenbehang. Uhren und Silber übernehmen barocke Umrisse in serieller Fertigung. Theatersäle erhalten Logenränge mit vergoldeten Brüstungen und Deckengemälden. Spätere Lustern sind bereits elektrisch ausgeführt.
Die Neue Burg am Heldenplatz (1881–1913), der Michaelertrakt der Hofburg und das ehemalige Kriegsministerium am Stubenring von Ludwig Baumann (1909–1913) sind Hauptbauten. Fellner und Helmer errichteten das Volkstheater und das Etablissement Ronacher. J. & L. Lobmeyr und E. Bakalowits Söhne lieferten Lustern. Im Handel sind Maria-Theresien-Luster, Salongarnituren, Vitrinen und Schreibtische dieser Zeit häufig und werden nach Ausführung und Erhaltung bewertet.
Neobarock unterscheidet sich vom Barock durch Maschinenfurnier, gegossene statt geschnitzte Ornamente, Schrauben statt Holznägel und Federkernpolster. Originale Maria-Theresien-Luster haben handgeschliffene Prismen aus Bleikristall mit leichten Unregelmäßigkeiten; spätere Pressglasbehänge zeigen Formnähte. Galvanische Vergoldung ist gleichmäßig gelb und ohne Poliment. Rückwände mit gleichmäßigen Kreissägespuren und Rundstabdübel aus Buche zeigen die Fertigung nach 1870.
Woran man es erkennt
- Kolossalordnung und Kuppeln
- Atlanten und Kartuschen
- Zinkguss als Bauschmuck
- Stuckmarmor und vergoldete Decken
- Salonmöbel mit Muscheln und Bandelwerk
- Vitrinen mit gewölbtem Glas
- Maria-Theresien-Luster mit Prismenbehang
- gegossene statt geschnitzte Ornamente
Künstler
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