Nordafrika, Zentraltunesien
Kairouan
Tunesische Stadt mit Teppichknüpferei seit dem 19. Jahrhundert; Kairouan-Teppiche tragen ein amtliches Qualitätssiegel auf der Rückseite.
Kairouan liegt in Zentraltunesien und gilt als eine der heiligen Städte des Islam in Nordafrika; die Große Moschee geht in ihrer Anlage auf das 9. Jahrhundert zurück. Die Teppichknüpferei der Stadt ist seit dem 19. Jahrhundert belegt und wurde im 20. Jahrhundert zu einem Exportzweig. Die Muster gehen teils auf anatolische Vorbilder zurück, die in osmanischer Zeit nach Tunesien gelangten.
Kairouan-Teppiche haben eine Kette aus Wolle oder Baumwolle und einen mittelhohen Wollflor mit dem symmetrischen Knoten, je nach Qualität etwa 40.000 bis 250.000 Knoten/m². Typisch ist ein rautenförmiges Zentralmedaillon mit vielen schmalen Bordüren. Die Alloucha-Qualität verwendet ungefärbte Wolle in Weiß, Beige, Braun und Grau, die Zerbia-Qualität gefärbte Wolle in Rot, Blau und Grün. Ein Siegel der staatlichen Handwerksbehörde auf der Rückseite gibt Qualität und Knotendichte an.
Kairouan-Teppiche des 20. Jahrhunderts sind verbreitet und meist Gebrauchsware; ältere Stücke vor 1950 finden mehr Interesse. Das Siegel erleichtert die Einordnung, fehlt aber oft durch Reinigung oder Abnutzung. Alloucha-Stücke zeigen Flecken und Vergilbung deutlich. Häufige Mängel sind abgelaufene Laufbahnen, Mottenfraß und ausgefranste Enden. Ein vollständiges Format mit erhaltenem Siegel und klarer Zeichnung erhält den Wert.
Woran man es erkennt
- Rautenmedaillon mit vielen schmalen Bordüren
- Alloucha: ungefärbte Naturwolle
- Zerbia: gefärbte Wolle in Rot und Blau
- Amtliches Siegel auf der Rückseite
- Symmetrischer Knoten
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