Epoche
Klassische Moderne
Epoche, um 1905–1945
Sammelbegriff für die Avantgarden von Fauvismus bis Surrealismus – im Handel eine eigene Sparte zwischen 19. Jahrhundert und Nachkriegskunst.
Klassische Moderne bezeichnet rückblickend jene Bewegungen, die nach 1905 die Darstellung der sichtbaren Welt aufbrachen: Fauvismus, Expressionismus, Kubismus, Futurismus, Konstruktivismus, Dada, Neue Sachlichkeit, Bauhaus und Surrealismus. Sie endet mit dem Zweiten Weltkrieg, als viele Künstler emigriert, verfolgt oder ermordet waren. In der NS-Zeit wurden ihre Werke als „entartet“ diffamiert und aus Museen entfernt; daraus ergeben sich bis heute Provenienzfragen. Die Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ fand 1937 statt.
Gemeinsam ist der Bruch mit der Zentralperspektive, die Befreiung der Farbe vom Gegenstand, die Zerlegung der Form und schließlich die Abstraktion. Neue Techniken wie Collage, Assemblage, Fotomontage und Frottage treten auf. Druckgrafik – Holzschnitt, Radierung, Lithografie – wird zum Hauptmedium vieler Künstler, Mappenwerke und Zeitschriften verbreiten die Avantgarde. Im Design setzen sich Stahlrohr, Sachlichkeit und Typografie durch. Die Kunst reagiert auf Großstadt, Krieg und Technik. Viele Künstler arbeiteten parallel als Grafiker, Bühnenbildner und Lehrer.
In Wien verbinden Schiele, Kokoschka und Gerstl, der Kinetismus Franz Cizeks und die Grafik der Zwischenkriegszeit die Stadt mit der internationalen Entwicklung. Die Albertina zeigt Werke der Klassischen Moderne aus der Sammlung Batliner, das mumok und das Leopold Museum im MuseumsQuartier weitere Bestände. Im Handel ist die Klassische Moderne eine eigene Sparte; Grafik und Zeichnungen bekannter Namen erscheinen regelmäßig. Das Belvedere zeigt die österreichische Moderne.
Werke dieser Epoche wurden intensiv gefälscht, sowohl Gemälde als auch Grafik. Werkverzeichnisse, Nachlassstempel, Signaturvergleiche und Papieranalysen sind Standard. Bei Werken mit Lücken in der Provenienz zwischen 1933 und 1945 klären wir die Herkunft vor einem Ankauf, auch mithilfe der Datenbanken zu NS-Raubkunst. Die Lost-Art-Datenbank und das Art Loss Register gehören zu den Standardrecherchen.
Woran man es erkennt
- Befreiung der Farbe vom Gegenstand
- Zerlegung der Form
- Weg zur Abstraktion
- Collage, Assemblage und Fotomontage
- Druckgrafik als Hauptmedium
- Mappenwerke und Avantgarde-Zeitschriften
- Stahlrohr und Sachlichkeit im Design
- Provenienzlücken 1933–1945 als Prüfpunkt
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