Epoche
Der Blaue Reiter
Kunstbewegung, 1911–1914
Münchner Redaktionsgemeinschaft um Kandinsky und Franz Marc, die Farbe geistig deutete – mit Arnold Schönberg als Maler in der ersten Ausstellung.
Wassily Kandinsky und Franz Marc gaben den Namen 1911 einem geplanten Almanach, der im Mai 1912 erschien. Die erste Ausstellung im Dezember 1911 in der Münchner Galerie Thannhauser zeigte Werke von Kandinsky, Marc, August Macke, Gabriele Münter, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay und des Wiener Komponisten Arnold Schönberg. Kandinskys Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ lieferte die Theorie. Mit dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Kreis; Macke und Marc fielen 1914 und 1916.
Farbe wird zum Träger seelischer Werte: Blau für das Geistige, Gelb für das Irdische bei Marc. Kandinsky gelangte um 1910 zur Abstraktion, Marc malte Tiere in leuchtenden Farben, Macke helle Stadtszenen und Spaziergänger. Gabriele Münter und Kandinsky übernahmen in Murnau die bayerische Hinterglasmalerei mit dunklen Konturen und reinen Farben. Der Almanach stellte Kinderzeichnungen, Volkskunst und außereuropäische Kunst neben Avantgarde. Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin standen dem Kreis nahe.
Das Arnold Schönberg Center am Schwarzenbergplatz bewahrt Schönbergs Nachlass mit seinen Gemälden, darunter die „Blicke“ und Selbstbildnisse. In Wien ist der Blaue Reiter sonst über Grafik und Einzelwerke präsent. Im Handel erscheinen Holzschnitte Kandinskys aus „Klänge“ (1913), Grafik von Marc, Macke, Münter und Campendonk sowie Hinterglasbilder in der Nachfolge. Das Lenbachhaus in München besitzt durch die Schenkung Gabriele Münters von 1957 den größten Bestand der Gruppe.
Kandinsky- und Marc-Grafik existiert in Originalauflagen, Buchausgaben und späten Abzügen; Holzschnitte aus Büchern haben rückseitig durchscheinenden Text. Hinterglasbilder sind stark gefälscht; Glasart, Farbaufbau von vorne nach hinten und Rahmen helfen bei der Prüfung. Gemälde erfordern Werkverzeichnis und Expertise, Provenienzen nach 1933 werden geprüft. Hinterglasbilder der Volkskunst, die Münter und Kandinsky sammelten, werden als eigene Gattung gehandelt.
Woran man es erkennt
- Farbe als Träger seelischer Werte
- frühe Abstraktion bei Kandinsky
- Tiere in leuchtenden Farben bei Marc
- Hinterglasmalerei nach bayerischem Vorbild
- dunkle Konturen und reine Farbflächen
- Volkskunst und Kinderzeichnung als Vorbild
- Almanach von 1912
- Holzschnitte aus dem Buch „Klänge“
Der Blaue Reiter verkaufen: in allen 23 Bezirken
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