Epoche
Pittura metafisica
Kunstbewegung, um 1910–1920
Malerei der leeren Plätze, langen Schatten und Gliederpuppen; von Giorgio de Chirico begründet, 1917 in Ferrara mit Carlo Carrà formuliert, Vorbild des Surrealismus.
Giorgio de Chirico malte ab 1910 in Florenz und ab 1911 in Paris rätselhafte Stadtbilder: leere Plätze mit Arkaden, Statuen, Türme und Fabrikschlote, lange Schatten und eine stillstehende Zeit. 1917 traf er im Militärlazarett in Ferrara Carlo Carrà; gemeinsam mit de Chiricos Bruder Alberto Savinio prägten sie den Begriff der metaphysischen Malerei. Giorgio Morandi malte 1918/19 metaphysische Stillleben.
Typisch sind übersteigerte Perspektiven, Gliederpuppen als Figuren, Innenräume mit Gerüsten, Landkarten und Gebäck, unvermittelt nebeneinandergestellte Gegenstände und ein kaltes, klares Licht. Die Zeitschrift „Valori plastici“ (1918–1922) verbreitete die Ideen. René Magritte, Max Ernst und Salvador Dalí bezogen sich auf de Chirico; Magritte beschrieb die Begegnung mit dessen „Liebeslied“ von 1914 als Erschütterung.
De Chirico wandte sich in den 1920er-Jahren einem klassizistischen Stil zu und kehrte später zu metaphysischen Motiven zurück. Er malte zahlreiche Wiederholungen seiner frühen Bilder und datierte manche zurück, was die Zuordnung erschwert.
Gemälde de Chiricos gehören zu den häufig gefälschten Werken der Moderne; Gutachten der Fondazione Giorgio e Isa de Chirico und Werkverzeichnisse sind entscheidend. Druckgrafik und späte Repliken bilden das zugänglichere Marktsegment. Für Morandi bieten die Werkverzeichnisse von Lamberto Vitali zu Gemälden und Radierungen Orientierung.
Woran man es erkennt
- leere Plätze und Arkaden
- lange Schatten und kaltes Licht
- Gliederpuppen und Statuen
- rätselhafte Gegenstandsstillleben
- übersteigerte Perspektive
Künstler
- Giorgio de Chirico
- Carlo Carrà
- Giorgio Morandi
- Alberto Savinio
- René Magritte
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