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Epoche

Orphismus

Kunstbewegung, um 1911–1914

Farbige Abstraktion aus dem Kubismus; von Guillaume Apollinaire benannt, mit Robert und Sonia Delaunay und František Kupka, Anreger des Blauen Reiters.

Guillaume Apollinaire nannte 1912/13 eine Richtung „Orphismus“, die aus dem Kubismus hervorging, aber Farbe und Licht in den Mittelpunkt rückte. Robert Delaunay malte 1912 die Serie der „Fenêtres“ und 1912/13 die „Formes circulaires“, ausgehend von den Farbkontrastlehren Michel-Eugène Chevreuls. František Kupka, der in den 1890er-Jahren in Wien gelebt hatte, zeigte 1912 im Pariser Herbstsalon „Amorpha, Fuge in zwei Farben“, eines der ersten ganz abstrakten Gemälde.

Typisch sind kreisende Farbscheiben, Prismen, rhythmische Kontraste und die Analogie zur Musik. Sonia Delaunay übertrug das Simultanprinzip auf Bucheinbände, Textilien und Mode; mit Blaise Cendrars schuf sie 1913 „La Prose du Transsibérien“, ein rund zwei Meter langes Faltbuch. Franz Marc, August Macke und Paul Klee besuchten Delaunay 1912 in Paris und nahmen die Anregungen auf; auch Francis Picabia und Fernand Léger standen dem Kreis nahe.

Nach 1914 löste sich die Richtung auf, ihre Ideen wirkten in Abstraktion, Art déco und Textildesign weiter. Sonia Delaunay betrieb in den 1920er-Jahren in Paris ein Atelier für simultane Stoffe und Mode.

Gemälde der Orphisten kommen selten in den Handel. Zugänglicher sind Sonia Delaunays Pochoirs, etwa die Mappe „Compositions, couleurs, idées“ (1930), Stoffe und Druckgrafik sowie Kupkas Grafik. Bei Gouachen und Stoffentwürfen Sonia Delaunays sind Fälschungen bekannt; Signatur, Papier und Provenienz sind zu prüfen.

Woran man es erkennt

  • reine, kontrastierende Farbe
  • Kreisformen und Prismen
  • Rhythmus und Musikanalogie
  • frühe Abstraktion
  • Übertragung auf Textil und Mode

Künstler

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