Antiquitäten WienAnkauf von Kunst und Nachlässen
Antiquitäten Wien

Epoche

Konstruktivismus

Kunstbewegung, um 1913–1935

Russisch-osteuropäische Avantgarde der geometrischen Konstruktion und Industriematerialien – mit einer Wiener Episode um Lajos Kassák und Friedrich Kiesler.

Wladimir Tatlin zeigte ab 1914 Konterreliefs aus Blech, Holz und Glas, Kasimir Malewitsch 1915 in Petrograd das „Schwarze Quadrat“ als Ausgangspunkt des Suprematismus. Nach der Revolution von 1917 wollten Alexander Rodtschenko, El Lissitzky, Ljubow Popowa und Warwara Stepanowa Kunst in Produktion und Propaganda überführen. Ungarische Künstler um Lajos Kassák gaben ab 1920 im Wiener Exil die Zeitschrift „MA“ heraus; László Moholy-Nagy trug die Ideen ans Bauhaus.

Die Arbeiten bestehen aus Kreisen, Balken, Quadraten und Diagonalen in Rot, Schwarz und Weiß. Industriematerialien wie Metall, Glas, Sperrholz und Kunststoff ersetzen Leinwand und Marmor. Lissitzkys „Prounen“ verbinden Malerei und Architektur. Plakate und Buchumschläge nutzen Fotomontage, Blockschrift und asymmetrische Satzspiegel. Die Staatliche Porzellanmanufaktur in Petrograd bemalte Teller mit suprematistischen Kompositionen und Revolutionsparolen. Textilentwürfe Popowas und Stepanowas brachten Geometrie in die Kleidung. Rodtschenko fotografierte aus extremen Unter- und Aufsichten; Tatlins Entwurf für das Denkmal der Dritten Internationale von 1919/20 blieb Modell.

Friedrich Kiesler organisierte 1924 im Wiener Konzerthaus die Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik mit Bühnenentwürfen der Avantgarde. Kassák und der Kreis um „MA“ arbeiteten bis 1926 in Wien. Im Handel erscheinen sowjetische Plakate und Bücher, Agitationsporzellan, Grafik von Lissitzky und Moholy-Nagy sowie ungarische Avantgardedrucke der Wiener Jahre. „MA“ veröffentlichte Arbeiten von Moholy-Nagy, Kassák und Sándor Bortnyik und verband Wien mit Berlin, Moskau und Paris.

Sowjetisches Agitationsporzellan wurde häufig auf älteren, kaiserlichen Rohlingen bemalt und trägt dann Doppelmarken; moderne Repliken haben neue Unterglasurmarken und frische Aufglasurfarben. Plakate der Zeit sind lithografiert oder im Buchdruck hergestellt, Reproduktionen im Offset. Zeitschriften wie „MA“ werden über Jahrgang, Heftnummer und Papier geprüft. Sowjetische Plakate der 1920er-Jahre tragen Auflagenhöhe und Zensurvermerk im Impressum.

Woran man es erkennt

  • Kreis, Balken, Quadrat und Diagonale
  • Rot, Schwarz und Weiß
  • Industriematerialien statt Leinwand
  • Fotomontage und Blockschrift
  • asymmetrische Typografie
  • Agitationsporzellan mit Parolen
  • Raumkonstruktionen und Konterreliefs
  • Bühnenentwürfe der Avantgarde

Künstler

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