Epoche
Fünfzigerjahre-Design
Stilrichtung, um 1948–1962
Formenwelt der Wiederaufbaujahre mit Nierentisch, Tütenlampe und Cocktailsessel – in Wien geprägt von Carl Auböck, Kalmar und den Espressos der Innenstadt.
Mit der Währungsstabilisierung und dem Marshallplan begann um 1950 in Österreich und Westdeutschland ein Konsumaufschwung. Junge Familien richteten kleine Wohnungen neu ein; leichte, preiswerte und farbige Möbel ersetzten die schweren Vorkriegsgarnituren. Vorbilder kamen aus Italien, Skandinavien und den USA. Die Triennale in Mailand und Messen in Wien zeigten neue Entwürfe. Espressobars brachten Resopal, Neonlicht und Kunststoff in den Stadtraum. Die Wohnung wurde zum Ausdruck des neuen Wohlstands.
Typisch sind asymmetrische Nierenformen bei Tischen, schräg gestellte, konische Beine mit Messingkappen, Tütenlampen mit Schirmen aus Kunststoff oder Blech, Cocktailsessel mit Federkern und Bezug in kräftigen Farben, Blumenbänke und Tapeten mit abstrakten Mustern. Materialien: Esche, Nussbaum, Resopal, Messing, Draht, Plexiglas, Kunstleder. Farben: Pastell, Petrol, Gelb, Rot und Schwarz. Keramik zeigt asymmetrische Vasenformen mit Schlierenglasuren, Glas zarte Farben und unregelmäßige Ränder. Wanduhren erhalten Stern- oder Sonnenform, Teppiche asymmetrische Farbfelder. Garderoben bestehen aus Draht mit farbigen Kugeln.
Carl Auböck entwarf in seiner Werkstätte in Neubau Gebrauchsgegenstände aus Messing, Holz, Leder und Horn, J. T. Kalmar Leuchten, Lobmeyr und die Manufaktur Augarten neue Service. Das Café Prückel am Stubenring bewahrt eine Einrichtung der 1950er-Jahre. Im Wiener Handel sind Leuchten, Auböck-Objekte, Sessel, Keramik und Glas der Zeit aus Wohnungsauflösungen stark gefragt. Auböck-Objekte wie Briefbeschwerer, Garderoben und Schalen gelangten in Museumssammlungen.
Auböck-Arbeiten tragen eingeschlagene Werkstattmarken und Modellnummern; Nachproduktionen der Werkstätte sind als solche gekennzeichnet, Fremdkopien unmarkiert. Kalmar-Leuchten haben Typenschilder, originale Kabel mit Stoffummantelung und Fassungen der Zeit. Nierentische aus Massenproduktion haben Furnier auf Spanplatte; bei Sesseln zeigen Federkern und Rosshaarpolster die Entstehungszeit. Gmundner Keramik der 1950er-Jahre trägt Bodenstempel mit Firmenzeichen. Tütenlampen haben oft verblasste Schirme.
Woran man es erkennt
- Nierenform und Asymmetrie
- konische, schräge Beine mit Messingkappen
- Tütenlampen und Tütenschirme
- Cocktailsessel mit Federkern
- Resopal, Messing und Draht
- Pastell, Petrol und Gelb
- abstrakt gemusterte Tapeten
- Keramik mit Schlierenglasuren
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