Epoche
Art nouveau
Stilrichtung, um 1890–1910
Französisch-belgische Spielart des Jugendstils mit Peitschenhiebschwung, Insekten und Pflanzen – von Gallé und Lalique bis Horta und Mucha.
Der Name stammt von der Galerie „Maison de l'Art Nouveau“, die der Händler Siegfried Bing 1895 in Paris eröffnete. Zentren waren Brüssel mit Victor Horta und Henry van de Velde, Nancy mit Émile Gallé, den Brüdern Daum und Louis Majorelle sowie Paris mit Hector Guimard, René Lalique und Alfons Mucha. Die Pariser Weltausstellung 1900 war der Höhepunkt. In Italien hieß der Stil nach dem Londoner Kaufhaus „Stile Liberty“, in Spanien „Modernisme“.
Leitform ist die schwingende, peitschenhiebartige Linie, die Pflanzenstängel, Haare und Gewänder verbindet. Motive: Libellen, Schmetterlinge, Orchideen, Iris, Seerosen, Pfauen und Frauen mit wallendem Haar. Glas wird überfangen, geätzt und geschnitten (Gallé, Daum) oder als Pâte de verre gegossen. Lalique kombinierte in Schmuck Gold, Email, Horn und Glas. Möbel der Schule von Nancy tragen Marketerien aus Pflanzenmotiven und geschnitzte Stängelbeine. Bronzen und Lampen zeigen Tänzerinnen und Blütenkelche. Keramik von Clément Massier zeigt Lüsterglasuren.
In Wien blieb der Art nouveau französischer Prägung Importware, während sich die Secession bald zur Geometrie wandte. Bohemisches Irisglas von Johann Lötz Witwe aus Klostermühle wurde über Wiener Händler vertrieben und von Wiener Entwerfern mitgestaltet. Im Handel sind Gallé- und Daum-Glas, Lalique, Mucha-Lithografien, Loetz-Glas, Bronzen und Lampen gefragt. Wiener Entwerfer stellten auf der Pariser Weltausstellung 1900 aus und sahen dort die französischen Arbeiten im Original.
Gallé-Glas trägt geätzte oder geschnittene Signaturen; nach Gallés Tod 1904 versah die Firma Stücke mit einem Stern bis etwa 1906. Moderne Nachahmungen tragen häufig den Zusatz „Tip“ vor der Signatur, haben dickere Wandungen und gleichmäßigere Ätzung. Mucha-Plakate existieren als Originallithografien, Neudrucke und Offsetreproduktionen; Rasterpunkte unter der Lupe verraten den Offsetdruck.
Woran man es erkennt
- peitschenhiebartige Schwunglinie
- Libellen, Orchideen und Iris
- Frauen mit wallendem Haar
- überfangenes, geätztes Glas
- Pâte de verre
- Schmuck aus Email, Horn und Gold
- Marketerie mit Pflanzenmotiven
- Bronzelampen mit Blütenkelchen
Künstler
- Émile Gallé
- René Lalique
- Alfons Mucha
- Victor Horta
- Henry van de Velde
- Hector Guimard
- Louis Majorelle
- Louis Comfort Tiffany
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