Epoche
Postimpressionismus
Kunstbewegung, um 1886–1905
Sammelbegriff für Cézanne, van Gogh, Gauguin und Toulouse-Lautrec, die den Impressionismus auf Form, Ausdruck und Fläche hin überwanden.
Den Begriff prägte der englische Kritiker Roger Fry 1910 für eine Londoner Ausstellung. Er fasst Maler zusammen, die nach 1886 aus dem Impressionismus herausgingen, ohne eine gemeinsame Gruppe zu bilden. Paul Cézanne suchte die Struktur der Natur, Vincent van Gogh den Ausdruck, Paul Gauguin die Synthese von Farbe und Symbol. In Wien zeigte die Secession 1903 ihre Werke, die Galerie Miethke 1906 eine van-Gogh-Ausstellung.
Cézanne baute Bilder aus parallelen Farbflecken und vereinfachten Körpern, van Gogh setzte pastose, rhythmische Striche in leuchtenden Komplementärfarben, Gauguin flächige Farbzonen mit dunklen Konturen (Cloisonnismus). Toulouse-Lautrec entwickelte das Plakat in der Farblithografie mit großen Flächen und Typografie. Die Nabis um Pierre Bonnard und Édouard Vuillard übertrugen die Flächigkeit auf Interieurs, Paravents und Druckgrafik. Gemeinsam ist die Lösung von der reinen Seherfahrung. Paul Sérusier malte 1888 unter Gauguins Anleitung den „Talisman“, das Gründungsbild der Nabis.
Die Secession erwarb 1903 van Goghs „Die Ebene von Auvers“ für die Moderne Galerie. Die Secessionisten Carl Moll und Broncia Koller-Pinell nahmen Anregungen aus Frankreich auf; Richard Gerstl studierte die neue Malerei vor seinem frühen Tod. Im Wiener Handel sind Farblithografien von Toulouse-Lautrec, Bonnard und Vuillard sowie Grafik und Plakate der Zeit häufiger als Gemälde. Die Moderne Galerie, Vorgängerin des Belvedere, wurde 1903 gegründet.
Lithografien Toulouse-Lautrecs gibt es in Erstauflagen, Ausgaben mit Text, späteren Abzügen und Faksimiles; Papier, Stempel, Remarques und Maße sind entscheidend. Postimpressionistische Gemälde erfordern Werkverzeichnis und Expertise. Unter UV-Licht zeigen späte Übermalungen andere Fluoreszenz, Pigmentanalysen entlarven anachronistische Farben. Originale Farblithografien der 1890er-Jahre zeigen Steinkorn, leichte Passerverschiebungen und häufig unbeschnittene Papierränder. Auflagenangaben stehen im Werkverzeichnis.
Woran man es erkennt
- pastose, rhythmische Pinselstriche
- Farbflecken als Bauelemente bei Cézanne
- flächige Farbzonen mit dunklen Konturen
- leuchtende Komplementärkontraste
- Farblithografie und Plakat
- Interieurs und Paravents der Nabis
- symbolische Farbverwendung
- Lösung vom bloßen Seheindruck
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