Epoche
Naive Kunst
Stilrichtung, seit dem späten 19. Jahrhundert
Malerei von Autodidakten mit klaren Farben, detailreicher Erzählung und eigener Perspektive; von Henri Rousseau über die Schule von Hlebine bis zu Grandma Moses.
Als naive Kunst bezeichnet man Werke von Malern ohne akademische Ausbildung, die einer eigenen Bildlogik folgen: flächige Perspektive, sorgfältig ausgeführte Einzelheiten, klare Farben und erzählende Motive. Henri Rousseau, ein Pariser Zollbeamter, stellte ab 1886 im Salon des Indépendants aus und wurde von Picasso und Apollinaire geschätzt. Der Sammler Wilhelm Uhde zeigte 1928 in Paris Rousseau, Séraphine Louis und andere als „Maler des Heiligen Herzens“.
In Kroatien entstand ab den 1930er-Jahren im Dorf Hlebine eine Malschule bäuerlicher Autodidakten um Ivan Generalić, angeregt von Krsto Hegedušić; ihre Hinterglasbilder mit Dorflandschaften wurden international bekannt. In den USA machte Otto Kallir ab 1940 mit seiner Galerie St. Etienne Anna Mary Robertson Moses, genannt Grandma Moses, bekannt. In Österreich werden Agnes Muthspiel und Gottfried Kumpf mit der naiven Malerei verbunden.
Naive Kunst ist von Volkskunst und Art brut zu unterscheiden: Volkskunst folgt überlieferten Formen einer Region, Art brut entsteht außerhalb des Kunstbetriebs, häufig im psychiatrischen Umfeld. Die Übergänge sind fließend.
Gefragt sind Werke bekannter Vertreter mit gesicherter Herkunft; daneben gibt es viel Souvenirmalerei im naiven Stil. Bei Malern aus Hlebine kommen Werkstattarbeiten, Kopien und Fälschungen vor, Signatur und Expertise sind zu prüfen. Für Grandma Moses liegt das 1973 erschienene Werkverzeichnis von Otto Kallir vor.
Woran man es erkennt
- Autodidakten ohne akademische Schulung
- flächige Perspektive
- detailreiche Erzählung
- klare, leuchtende Farben
- Hinterglasmalerei der Schule von Hlebine
Künstler
- Henri Rousseau
- Agnes Muthspiel
- Gottfried Kumpf
- Ivan Generalić
- Séraphine Louis
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