Antiquitäten WienAnkauf von Kunst und Nachlässen
Antiquitäten Wien

Epoche

Gründerzeit

Epoche, um 1850–1914 (Gründerjahre 1867–1873)

Wirtschaftsboom und Bauwelle bis zum Börsenkrach 1873 und darüber hinaus: Zinshäuser, Serienmöbel und Bugholz prägen Wiens Vorstädte.

Der Begriff meint im engeren Sinn die Gründerjahre nach dem Ausgleich von 1867 bis zum Börsenkrach vom 9. Mai 1873, als Banken, Eisenbahnen und Industrieunternehmen in großer Zahl gegründet wurden. In Wien steht er für die Bauwelle, die bis 1914 die Vorstädte und Vororte mit Mietzinshäusern verdichtete. Die Bevölkerung stieg auf rund zwei Millionen; 1892 wurden die Vororte eingemeindet. Mietzinshäuser errichteten meist private Bauherren als Kapitalanlage.

Zinshäuser haben Stuckfassaden mit historistischem Dekor, Holzkastenfenster, Stiegenhäuser mit Gusseisengeländern, Fischgrätparkett und Kachelöfen; einfache Häuser haben Gangküchen und Bassena. Möbel werden seriell gefertigt: Kredenzen, Vertikos, Kleiderkästen, Säulentische, Spiegel mit Aufsatz, meist aus Nuss oder nussgebeizter Buche. Bugholzsessel von Thonet, besonders das Modell Nr. 14 von 1859, verbreiten sich weltweit. Hausrat aus Pressglas, Steingut, Messing und versilbertem Metall ergänzt die Ausstattung. Bürgerliche Wohnungen gliedern sich in Salon, Speise- und Schlafzimmer, in Arbeitervierteln herrschen Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnungen vor.

Die Weltausstellung 1873 im Prater markiert den Höhepunkt der Gründerjahre. Gründerzeitliche Blockrandbebauung prägt große Teile von Wieden, Margareten, Neubau, Josefstadt, Alsergrund, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring, Hernals und der Brigittenau. Ab 1873 entstand das Cottageviertel in Währing und Döbling. Bei Verlassenschaften aus Altbauwohnungen begegnen uns Gründerzeitmöbel, Lustern, Bilder und Hausrat mit Sammlerwert. Der Börsenkrach von 1873 stoppte die Spekulation nur vorübergehend; ab den 1880er-Jahren setzte der Bauboom erneut ein.

Gründerzeitmöbel imitieren oft ältere Stile; Maschinenfräsung, Drahtnägel, Schrauben mit Gewinde und nussgebeiztes Weichholz zeigen die Fertigung. Echte Thonet-Sessel tragen Brandstempel oder Etiketten, Kohn-Sessel entsprechend eigene Marken. Kachelöfen und Gusseisenteile aus Abbrüchen sind gefragt und werden nach Hersteller, Vollständigkeit und Glasur beurteilt. Lustern mit Gasleitungen wurden um 1900 oft auf Strom umgebaut; Umbauspuren zeigen sich an Rohren und Fassungen.

Woran man es erkennt

  • Zinshäuser mit Stuckfassaden
  • Holzkastenfenster und Fischgrätparkett
  • Stiegenhäuser mit Gusseisengeländer
  • Kredenzen und Vertikos aus Serienfertigung
  • nussgebeizte Buche
  • Bugholzsessel Nr. 14
  • Pressglas und versilbertes Metall
  • Kachelöfen

Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.

Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.