Künstler: Zwischenkriegszeit
Leopold Blauensteiner
Maler, Grafiker, Entwerfer, 1880–1947, Wien
Mitwirkender der Kunstschau 1908 mit Farbholzschnitten in Ver Sacrum; 1938–1941 Präsident des Künstlerhauses und NS-Kunstfunktionär.
Leopold Blauensteiner studierte an der Wiener Akademie bei Christian Griepenkerl und nahm Privatunterricht bei Alfred Roller, der 1903 und 1904 Farbholzschnitte von ihm in Ver Sacrum veröffentlichte. Er beteiligte sich an der Kunstschau 1908 und gehörte 1909 dem Komitee der Klimt-Gruppe an. Ab 1920 war er Mitglied des Künstlerhauses, 1938–1941 dessen Präsident; 1939 leitete er die Reichskammer der bildenden Künste in Wien. 1945 wurde er verhaftet, vor Gericht gestellt und freigesprochen. Er starb 1947.
Blauensteiner malte Landschaften von Studienreisen nach Italien, Dalmatien, Lothringen und Deutschland, Familienbildnisse und Figurenbilder wie „Funeralien im Stift Melk“. Daneben entwarf er angewandte Kunst: Möbel, Ziergitter, Laternen und unter Gustav Mahler Ausstattungsteile für die Hofoper. Seine frühen Farbholzschnitte zeigen die flächige Bildordnung der Secession um 1903. Später wurde seine Malerei akademischer und naturnäher. Für die Schlaraffia in Melk gestaltete er einen Versammlungsraum. Zu seinen Gemälden zählen auch „Der tote Sohn“ und „Symphonie in Blau“.
Farbholzschnitte aus Ver Sacrum lassen sich über Jahrgang 1903 oder 1904 und Heftzusammenhang nachweisen; separate Abzüge sind seltener. Gemälde und Druckgrafik sind über Signatur und Vergleich zuzuordnen. Bei Werken und Sammlungsteilen, die zwischen 1938 und 1945 über das Künstlerhaus oder seine Funktionen den Besitz wechselten, ist die Provenienz besonders sorgfältig zu klären.
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