Antiquitäten WienAnkauf von Kunst und Nachlässen
Antiquitäten Wien

Epoche

Alpenländischer Stil

Stilrichtung, 17.–19. Jahrhundert

Möbel, Schnitzwerk und Jagdkultur des Alpenraums von Tirol bis zur Steiermark: Zirbenstuben, Ennstaler Truhen, Lusterweibchen und Heiligenfiguren.

Im Alpenraum entwickelte sich zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert eine eigene Ausstattungskultur, die städtische Stile vereinfacht und verspätet aufnahm. Tischler in Tirol, Salzburg, im Ennstal, im Salzkammergut und in der Steiermark arbeiteten mit örtlichen Hölzern. Bildschnitzer im Grödnertal und im Zillertal belieferten Kirchen und Hausaltäre. Mit dem Fremdenverkehr ab 1870 wurde der Stil auch zu einer städtischen Mode für Jagd- und Landhäuser.

Möbel bestehen aus Zirbe, Fichte, Lärche oder Ahorn, häufig mit Rahmen-Füllungs-Konstruktion, gedrehten Säulen und Kerbschnitt. Ennstaler und Tiroler Truhen tragen Bemalung oder Intarsien mit Jahreszahl und Monogramm. Zirbenstuben mit Vertäfelung, Eckbank und Herrgottswinkel prägen den Wohnraum. Heiligenfiguren sind gefasst und vergoldet. Jagdkultur zeigt sich in Geweihen, Lusterweibchen aus Geweih mit geschnitzter Halbfigur, Jagdschränken und Schützenscheiben. Zinngeschirr und Schmiedeeisen ergänzen. Stubenuhren regionaler Uhrmacher und Uhren mit bemalten Holzschildern hängen an den Wänden.

Das Volkskundemuseum Wien zeigt Möbel und Hausrat aus dem Alpenraum. Im Wiener Handel erscheinen alpenländische Truhen, Kästen, Tische, Heiligenfiguren, Lusterweibchen, Geweihe und Schützenscheiben häufig aus Wohnungen und Landhäusern; Präparate geschützter Arten benötigen Nachweise nach Artenschutzrecht. Grödner Schnitzwerkstätten lieferten im 19. Jahrhundert Heiligenfiguren in Serie, die in Wiener Haushalten und Kapellen verbreitet waren. Geweihe heimischer Hirsche sind ohne Weiteres handelbar. Zinngeschirr ist ebenfalls häufig.

Echte alte Möbel zeigen handgehobelte Flächen, Holznägel, geschmiedete Bänder und Schwundrisse; Nachbauten des 20. Jahrhunderts haben Maschinenspuren, Leim statt Holznagel und gleichmäßige Beize. Neu gefasste Heiligenfiguren tragen oft Acryl über altem Holz; Fassungsuntersuchungen klären das. Bei Lusterweibchen wird geprüft, ob Figur und Geweih zusammengehören. Ennstaler Truhen mit Schablonenmalerei sind von freier Bemalung zu unterscheiden.

Woran man es erkennt

  • Zirbe, Fichte und Lärche
  • Rahmen-Füllungs-Konstruktion
  • Kerbschnitt und gedrehte Säulen
  • bemalte Truhen mit Jahreszahl
  • Zirbenstuben mit Herrgottswinkel
  • gefasste Heiligenfiguren
  • Lusterweibchen aus Geweih
  • Schützenscheiben und Jagdschränke

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