Epoche
Rotes Wien
Epoche, 1919–1934
Sozialdemokratische Stadtpolitik der Zwischenkriegszeit mit über 60.000 Gemeindewohnungen – vom Karl-Marx-Hof bis zum Sandleitenhof.
Nach den Gemeinderatswahlen 1919 regierten die Sozialdemokraten Wien; ab 1922 war die Stadt ein eigenes Bundesland mit Steuerhoheit. Finanzstadtrat Hugo Breitner führte die Wohnbausteuer ein, mit der die Stadt ab 1923 Wohnhausanlagen errichtete. Bis 1934 entstanden über 60.000 Wohnungen, dazu Bäder, Kindergärten, Bibliotheken und Volkshochschulen. Mit dem Bürgerkrieg im Februar 1934, als auch Gemeindebauten beschossen wurden, endete die Epoche. Bürgermeister war ab 1923 Karl Seitz.
Die Höfe sind große Blockanlagen um begrünte Innenhöfe mit Torbögen, Loggien, Erkern und Fahnenmasten, verputzt in kräftigen Farben. Bauschmuck umfasst Keramikreliefs, Skulpturen, Mosaike und Inschriften mit Baujahr und dem Vermerk der Gemeinde Wien. Architekten waren oft Schüler Otto Wagners, etwa Karl Ehn und Hubert Gessner. Zur Alltagskultur gehören Plakate von Victor Theodor Slama, Arbeitersportabzeichen, Parteiabzeichen, Fotografie, Volksbildungsliteratur und Bildstatistiken nach Otto Neurath. Die Anlagen erhielten Waschküchen, Bäder, Kindergärten und Bibliotheken direkt im Hof.
Der Karl-Marx-Hof von Karl Ehn in Heiligenstadt, 1927 bis 1930 erbaut, ist mit über einem Kilometer Länge das bekannteste Beispiel; im Waschsalon des Hofes informiert eine Ausstellung über das Rote Wien. Dazu kommen Metzleinstaler Hof und Reumannhof am Margaretengürtel, Rabenhof, Sandleitenhof, George-Washington-Hof, Am Fuchsenfeld und Bebelhof, Lassallehof, Friedrich-Engels-Platz-Hof, Karl-Seitz-Hof und Goethehof. Im Handel sind Plakate, Abzeichen, Fotografien, Bücher und Grafik dieser Zeit gesucht.
Plakate der Zeit sind lithografiert oder im Buchdruck gefertigt, mit Druckereivermerk; Nachdrucke ab den 1980er-Jahren sind offsetgedruckt. Abzeichen bestehen aus Buntmetall mit Email oder aus gestanztem Blech, Hersteller sind rückseitig gestempelt. Fotografien sind Silbergelatineabzüge mit Bildagentur- oder Fotografenstempel. Abzeichen mit dem Symbol der drei Pfeile stammen aus den frühen 1930er-Jahren.
Woran man es erkennt
- Blockanlagen um begrünte Innenhöfe
- Torbögen, Loggien und Erker
- Inschriften mit Baujahr und Gemeinde Wien
- Keramikreliefs und Bauplastik
- kräftig farbige Putzfassaden
- politische Plakate
- Arbeitersport- und Parteiabzeichen
- Bildstatistik nach Otto Neurath
Künstler
- Karl Ehn
- Hubert Gessner
- Rudolf Perco
- Victor Theodor Slama
- Otto Neurath
- Gerd Arntz
Rotes Wien verkaufen: in allen 23 Bezirken
Gold markiert sind Bezirke mit belegtem Bezug.
Döbling
Karl-Marx-Hof von Karl Ehn (1927–1930) mit Ausstellung im Waschsalon.
Margareten
Metzleinstaler Hof und Reumannhof am Margaretengürtel von Hubert Gessner.
Landstraße
Rabenhof in Erdberg.
Ottakring
Sandleitenhof, größte Wohnhausanlage der Zwischenkriegszeit.
Favoriten
George-Washington-Hof; Amalienbad am Reumannplatz.
Meidling
Wohnhausanlage Am Fuchsenfeld und Bebelhof.
Leopoldstadt
Lassallehof an der Reichsbrücke.
Brigittenau
Friedrich-Engels-Platz-Hof von Rudolf Perco.
Floridsdorf
Karl-Seitz-Hof von Hubert Gessner.
Donaustadt
Goethehof in Kaisermühlen.
Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.
Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.
Lieber schriftlich? Zum Anfrageformular