Epoche
Neue Wilde
Kunstbewegung, um 1978–1990
Rückkehr der expressiven, figurativen Malerei um 1980 – in Deutschland, Italien und den USA, in Österreich mit Anzinger, Bohatsch, Brandl, Schmalix und Scheibl.
Nach Jahren von Konzeptkunst und Minimal Art kehrte um 1978 die großformatige, gestische Malerei zurück. In Berlin zeigten Rainer Fetting, Helmut Middendorf, Salomé und Bernd Zimmer 1980 die Ausstellung „Heftige Malerei“, in Köln arbeitete die Mülheimer Freiheit. Georg Baselitz, Markus Lüpertz, A. R. Penck und Jörg Immendorff galten als Vorläufer des Neoexpressionismus. In Italien prägte Achille Bonito Oliva den Begriff Transavanguardia, in New York malten Julian Schnabel und Jean-Michel Basquiat.
Die Bilder sind groß, schnell gemalt und farbintensiv, mit grobem Pinselstrich, Dispersions- und Acrylfarben, oft auf Nessel oder ungrundierter Leinwand. Motive: Figuren, Tiere, Landschaften, Großstadtnacht, Mythologie und Selbstbildnis, zugleich Ironie und Zitat. Baselitz stellte ab 1969 Bilder auf den Kopf. Die Transavanguardia verband Mythen mit leuchtenden Farben. Druckgrafik – großformatige Holzschnitte und Linolschnitte – erlebte eine neue Blüte. Francesco Clemente und Enzo Cucchi arbeiteten auch in Fresko und Pastell, Mimmo Paladino in Holzschnitt und Bronze.
In Österreich formierte sich um 1980 eine Generation junger Maler, darunter Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Hubert Scheibl, Hubert Schmalix, Alois Mosbacher, Gunter Damisch und Alfred Klinkan; viele hatten an der Wiener Akademie und der Angewandten studiert. Galerien in Wien und Graz zeigten sie im Austausch mit den deutschen Kollegen. Im Wiener Handel sind Gemälde und Arbeiten auf Papier dieser Generation regelmäßig vertreten.
Neoexpressionistische Bilder sind wegen schneller Malweise anfällig für Fälschungen und für Werke, die nachträglich datiert werden. Signatur, Datierung, Rückseitenbeschriftung mit Titel und Maßen, Galerieetiketten und Werkverzeichnisse sind zu prüfen. Dispersionsfarben auf Nessel neigen zu Rissen und Abrieb; der Erhaltungszustand beeinflusst den Wert. Großformate wurden oft gerollt transportiert; Knicke und Abplatzungen entstehen beim Aufrollen.
Woran man es erkennt
- großformatige, gestische Malerei
- Dispersions- und Acrylfarben auf Nessel
- grober, schneller Pinselstrich
- Figur, Tier und Mythologie
- Ironie und Bildzitat
- auf dem Kopf stehende Motive bei Baselitz
- großformatige Holzschnitte
- Rückseitenbeschriftung mit Titel und Maßen
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