Epoche
Romanik
Epoche, um 1000–1250
Erster gesamteuropäischer Stil des Mittelalters mit Rundbogen und Grubenschmelz – in Wien an der Ruprechtskirche und am Riesentor des Stephansdoms.
Der Begriff wurde im frühen 19. Jahrhundert geprägt und meint die Kunst zwischen der ottonischen Zeit und dem Aufkommen der Gotik. Getragen wurde sie von Klöstern, Bischofssitzen und dem Hochadel; in Österreich förderten die Babenberger Stiftsgründungen wie Klosterneuburg und Heiligenkreuz. Wien wurde unter Heinrich II. Jasomirgott 1156 Residenz, die erste Stephanskirche wurde 1147 geweiht. Bis um 1230 blieb die romanische Bauweise in der Stadt bestimmend.
Kennzeichen der Architektur sind Rundbögen, dicke Mauern mit kleinen Fenstern, Würfel- und Kelchblockkapitelle sowie Stufenportale mit Säulen und Tierfiguren. Im Kunsthandwerk dominieren Bronzeguss (Aquamanilen, Leuchter, Türklopfer), vergoldetes Kupfer mit Grubenschmelz aus Limoges und vom Rhein sowie Elfenbein- und Walrosszahnschnitzerei. Figuren wirken frontal, flächig und streng symmetrisch, Gewänder fallen in parallelen Rillenfalten. Holzskulpturen tragen kräftige Fassung in Rot, Blau und Gold. Ornamentik: Palmetten, Rankenwerk, Flechtband, Fabelwesen. Buchmalerei aus Klosterskriptorien bildet Initialen mit Ranken, Tieren und Fabelwesen auf Pergament.
Ältester Kirchenbau Wiens ist die Ruprechtskirche, deren Langhaus und Turmunterbau auf das 11. und 12. Jahrhundert zurückgehen. Am Stephansdom haben sich das Riesentor und die Heidentürme der spätromanischen Westfassade aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Der Verduner Altar des Nikolaus von Verdun (1181) in Klosterneuburg zeigt den Rang des Grubenschmelzes im Donauraum. Im Wiener Handel sind romanische Originale selten; meist begegnen Einzelstücke wie Bronzeleuchter, Limoges-Beschläge oder Kapitellfragmente.
Romanische Bronzen wurden im 19. Jahrhundert häufig nachgegossen; Nachgüsse zeigen glattere Oberflächen, zu scharfe Grate und eine gleichmäßige, chemisch erzeugte Patina. Echte Limoges-Emails haben ausgegrabene, leicht unregelmäßige Zellen und Abnutzung an erhabenen Stellen. Bei Steinfragmenten und Kirchenausstattung klären wir zuerst die Herkunft; ohne nachvollziehbare Provenienz entsteht kein Angebot. Metallanalysen helfen zusätzlich bei der Datierung von Bronzen.
Woran man es erkennt
- Rundbogen und Stufenportal
- Würfelkapitell
- frontale, streng symmetrische Figuren
- Rillenfalten in parallelen Bahnen
- Grubenschmelz auf vergoldetem Kupfer
- Aquamanilen in Tiergestalt
- Flechtband und Palmettenranken
- Fabelwesen und Löwen als Wächterfiguren
Künstler
- Nikolaus von Verdun
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